In-Time-Texte

Dies ist ein Text aus dem Atvia-In-Time-Forum von 2005 zwischen Sustineo, dem Magier und Rhavin zu Berboran, dem Bibliothekar der atvianischen Archive zu Hondarth.

Die Texte in grau sind von Sustineo, die schwarzen von Rhavin verfasst. Viel Lesevergnügen!

Nach der Ankunft in der Hauptstadt begab sich Sustineo nach einigem Nachfragen zu Rhavin zu Berboran um sich etwas mehr Überblick über die atvianischen arkanen Verhältnisse zu verschaffen. Im Hinterkopf immer noch nach einer Möglichkeit suchend Albin von Sommburg doch noch zurückzuholen.

In höflicher Art und Weise stellte er sich vor und brachte seine Wünsche bezüglich der arkanen Vergangenheit und der Spehren zum Vortrag, mit der bitte um Hilfe und Auskunft.

Groß, breit und dunkelhaarig sitzt Rhavin zu Berboran an seinem alten Schreibtisch. Neben ihm ein Stapel Schriftrollen, allesamt mit gold-grünen Bändern. Es sieht aus, als bemerke er den Besucher erst jetzt, denn er blickt hoch und sein Blick klärt sich allmählich, als er fragt „kenne ich euch, Edler Herr? Verzeiht, aber wartet ihr schon länger? Ich werde langsam alt…“ und greift abwesend nach Federkiel und Tintenfass…

Sein Anliegen und seien Vorstellung wiederholend legt Sustineo noch einen Lederbeutel mit Silbermünzen auf dem Tisch ab und weist darauf hin das im vorigen Jahr etwa um die selbe Zeit schon einmal ein Zusammentreffen erfolgt ist.

Ah, ja. Ich erinnere mich an Euch, Herr Magus. Nun, wie kann der Schreiber des Hohen Rates Euch zu Diensten sein? Wünscht ihr einige Abschriften unserer Archive? Einen Adelsbrief Eures Hauses oder kann ich euch mit einigen unserer Rezepte dienlich sein? Ah – verzeiht – doch was sagtet ihr soeben über die Spehren?“

Sich mit dem Federkiel hinter dem Kopf kratzend beugt Rhavin sich hinter seinem monströsen Schreibtisch aus dunklem Holz hervor, um seinen Gast freundlichst etwas näher zu beäugen.

Seine Gedanken und wohl auch die des Schreibers erneut sortierend beginnt Sustineo geduldvoll erneut:

Ich benötige Informationen über die arkane Vergangenheit von Atvia und entsprechende Abhandlungen über die Magie und deren Wirkung an sich. Das als Erstes, damit wir nicht durcheinander kommen. Später dann auch etwas zu den Spehren. Und da es sicher etwas länger dauern wird lassen wir wie das letzte Mal auch entsprechend Speis und Trank nach euren Wünschen vom Gasthofe des Blauen Ochsen kommen. Ich zahle natürlich.

Ah ja, werter Magus. Das lässt sich doch einrichten. So nehmet Platz und lasset mich euch einige der Schriften bringen, welche Eure Neugierde wohl mehr als befriedigen sollten.“ Leise vor sich hin summend weist Rhavin auf einen Sessel mit einem kleinen Lesepult davor nahe dem brennenden Kamin und verlässt den Raum durch eine große, schwere Holztür, welche er mit einem gewaltigen silbernen Schlüssel aufschließt.

Kurz darauf erscheint er wieder mit einer in Leder eingeschlagenen Schriftrolle, welche er auf dem kleinen Lesepult, zusammen mit einer in Silber gefassten Lupe, ablegt, um sich sodann wieder suchend in den Schriftrollenraum zu begeben.

Als Ihr die Schriftrolle öffnet, findet ihr folgenden Bericht:

Atvianische Archive zu Hondarth. Abschrift eines Reiseberichtes des Meisters der arkanen Künste zu Terlemar im Jahre 15 nach der Besiedelung des Atvianischen Festlandes. Gefunden im Jahre 334 zu Kilore.

Werte Kollegen, verehrte Magister,

Nun, da ich zurückgekehrt bin vom atvianischen Festlande möchte ich euch, werte Freunde und Kollegen, von den Geschehnissen auf dieser, meiner Reise berichten.

Da wir unglücklicherweise bereits zu Anfange dieser wundersamen Queste unserer Schreibutensilien, mitsamt der Seekiste, welche sie enthielt verlustig gingen, verfasse ich diese Zeilen erst am heutigen Tage meiner Rückkehr.

Aufgrund der gar spärlichen Informationen die uns bei unserer Abreise zur Verfügung standen, betraten Magister Theodon und ich das atvianische Festland an der östlichsten, und somit unserem Heimatlande nähst gelegener Küste.

Bereits vor unserer Landung fiel uns die hügelige Landschaft sowie die außergewöhnlich dichte Bewaldung ins Auge.

Ferner war dieses Atvia bereits auf den ersten Blick von größerem Ausmaße, als es den Anschein gehabt hatte, lauschte man den Erzählungen des Flüchtlings, der uns damals in die Hände fiel, und, wie es den Anschein hat, tatsächlich der erste lebende Mensch war, der über dieses Festland berichtete, so musste es ein gar riesenhaftes Festland sein!

Die Mannschaft ruderte zuerst uns, sodann unseren Tross sowie die Pferde an Land, verabschiedete sich dann jedoch auffallend rasch, um auf dem Schiffe unserer zu harren.

Wir hatten uns zur Aufgabe gemacht, zuerst die Küstenlinien zu erkunden, uns sodann vom höchsten Flecken der Insel aus einen Gesamtüberblick zu verschaffen.

Leider gelang uns dergleichen nicht vollends, doch war es uns möglich eine Karte zu verfassen, von welcher ich euch eine Abschrift zukommen lassen werde, werte Kollegen!

Wir reisten zu Pferde Tag um Tag an der östlichen Küste entlang, deren Landschaftsbild sich kaum änderte. Die dichte Bewaldung schien kein Ende nehmen zu wollen, lediglich unterbrochen von einigen kleineren Flussläufen die aus dem Landesinneren kamen und hier im Meer ihr Ende fanden.

Gar fischreich waren diese Flüsse, so dass wir niemals Hunger litten, auch Wild gab es hier in rauen Mengen, welches sich nicht vor uns zu fürchten schien und uns sogar noch freundlich beäugte, als Jäger Baerlon bereits den Bogen spannte!

Menschliche Spuren hingegen waren hier nicht zu finden, noch sonstige Anzeichen von Besiedelung.

Jedoch Pflanzen in einer Vielfalt und Blüte, wie ich sie dergleichen noch nirgendwo sah! Doch sollte man sich gar hüten den Duft an jeder herrlich anmutenden Blüte versuchen zu wollen! Magister Theodon´s Erfahrungen damit waren fürwahr bemerkenswert!

Doch, liebe Freunde und Kollegen, es steht mir nicht an, diese Peinlichkeit in Worte zu fassen, der verehrte Kollege Magister wird es euch sicherlich noch berichten.

Am 9. Tage unserer Reise gelangten wir an das Ende der sandigen Küste, mussten uns einen Durchgang durch den dichten Wald schlagen, so hier Felsformationen und steile Klippen ein weiteres vorankommen direkt an der See unmöglich machten.

Magister Theodon machte bereits hier mit der wunderlichen Fauna nähere Bekanntschaft, da er, recht ungebührlich fluchend, in eine mir unbekannte Form der Nessel trat, was uns wiederum viele Stunden aufhielt, die er im Quellwasser sitzend zubrachte, um sich Linderung zu verschaffen.

So zogen wir weitere 3 Tage durch einen Wald, welchen ich hier nur als außergewöhnlich beschreiben möchte. Die Vielzahl der Bäume, der Ansicht schien Magister Theodons zumindest, seien mehrere Menschenleben alt, mich beeindruckte nach wie vor die sonderbare Tierwelt dieses Landes. Hüpfer und Springer in allen Farben des Himmels und des Bodens, Kriecher und Gräber bei Nacht, dass man vor Erstaunen kaum ein Auge zutat!

Doch nicht nur die Kriecher ließen uns kaum ruhen, ab und an des nachts fühlten wir uns gleichwohl beobachtet wie aus unzähligen Augen und Geräusche waren um uns, die auch unsere erfahrenen Jägersmannen nicht zu deuten wussten.

Jäger Baerlon berichtete uns anderntags von Spuren auf dem Waldesboden, welche die Form des Wolfes gehabt hätten, dafür jedoch zu groß und tief gewesen seien. Wir entschieden uns fürdahin einige Wachen des Nachts aufzustellen, um nicht unversehens aus dem Schlafe gerissen zu werden.

Lasst mich euch sagen, liebe Freunde und Kollegen, hier werden unsere tapferen Gardisten ihren Mut und ihr Geschick bei den Jagden unter Beweis stellen können, und gar viel Kurzweil wird es uns bieten!

Als wir am 12. Tage unseres Rittes wieder auf den Sand der Küste hinaustraten wurden wir eine Insel am Horizont gewahr, so drängte Magister Theodon mich, diese zu erkunden.

Nach weiteren 3 Tagen zu Pferde am Rande der Küste bemerkten wir, dass wir uns wohl in einer Art schützenden Bucht befanden, deren Mittelpunkt die genannte Insel darzustellen schien.

Tags darauf erreichten wir, zu unserer großen Verwunderung, eine kleine Ansammlung strohgedeckter Lehmhütten, wo unsere Ankunft ein gar beinahe panisches Durcheinander auslöste. Man warf man sogar Fische und dergleichen ekelhaft schleimig Getier nach uns!

Theodon gelang es schließlich, mit Hilfe seiner wahrlich erstaunlichen Fähigkeiten, die schmutzigen Menschen dort zur Ruhe zu zwingen und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Teils voll der Bewunderung für Theodon`s Fähigkeiten, teils angewidert von derart Behausungen, so man sie dort vorfand, wurde uns gewahr, dass es sich tatsächlich um den Rest der Flüchtlinge der Baronie Falkenburg handelte, die einstmals aufgebrochen waren ihr Joch zu beenden, so derer nur einer wieder lebend zurückgekehrt war.

Cervus sein Dank geradewegs in die Arme der uns treu ergebenen Magistra, die wir ja alle kennen, werte Kollegen! Wer weiß, wie weit sich Falkenburg noch ausgebreitet hätte, hätte das falkenburgsche´Tyrannengezücht von diesem unbesiedelten Festland erfahren!

Zu den Gegebenheiten des Landes befragt, gaben die armseligen Dörfler hier zur Antwort, sie hätten wohl alles was sie brauchten an diesem Flecke und wären nicht weit ins innere des Festlandes vorgedrungen, ferner sie Angst hätten vor Geistern und wilden Tieren. Wahrlich fand ich hier bis auf Fischspieße und einige Messer nahezu keinerlei Waffen!

Gleichwohl berichteten sie, die Bucht sei von einem Felsgürtel umlegt, so man weder zu Pferd noch mit Karren darüber hinweg käme.

Ich fand derweil mehr Interesse an den ansässigen, augenscheinlich teils domestizierten Wildtieren, die in Gattern und Pferchen gehalten wurden.

Manche Tiere muteten gar sonderbar an. Ich werde Jultan, meinen treuen Diener, beauftragen euch, werte Kollegen, einige Zeichnungen zu fertigen, aufdass ihr mitfühlen könnt, wie erstaunt ich war! Es war mir unbegreiflich, wie solcherlei Getier ohne die Hilfe der Magie hatte gezüchtet werden können. Oder wurden wir nur Opfer eines Trugbildes?

Nach einiger Aufregung aufgrund der beharrlichen Weigerung der Dorfleut uns zu dieser Insel in der Bucht überzusetzen, so es dort angeblich Geister haben solle, bestiegen wir ohne einen Führer eins der wackeligen Fischerboote des Dörfchens und ließen uns von Jultan und Baerlon zur Insel übersetzen.

Dort angekommen fanden wir wenig mehr als ein paar sonderbar glänzende schneebleiche Ruinen, und einen Wald voller Dornen, der uns ein weiteres Vordringen verwehrte.

Jedoch die Ruinen wiesen eine sonderbare Steinmeißeleien auf, die es sicher lohnen wird, eines späteren Tages wiederzukehren und diese näher zu untersuchen, ferner unsere Annahme, wir wären die ersten zivilisierten Geschöpfe hier, somit wohl falsch gelegen war.

Zu den Ruinen befragt, gaben die ängstlichen Dorfleut nur an, sie seien im Lebtag nicht zu dieser Insel gefahren, auch habe sie keinen Namen.

Theodon entschied sich, das Wagnis der Anwendung seiner Magie auf diesem fremden Festland nunmehr erstmals einzugehen, so er sich des Abends niedersetzte, außerhalb des Dorfes, um Kräfte zu sammeln einen Gestaltwandel zu vollziehen.

Als es dämmerte sperrten sich die Bewohner des Dorfes - sie nannten es Hondarth - in ihre Behausungen ein und wir nahmen unsere Speisen in einer leerstehenden Hütte allein zu uns.

Des Nachts, es mag um die dritte Stunde gewesen sein, wurde ich Meridon, Theodon´s Leibmedikus, gewahr, als er an meiner Liegestatt vorüberschritt und wie im Traume hinauslief.

Ich sandte Baerlon ihn zurückzuholen, der jedoch allein wiederkehrte und mir berichtete, er habe eine winzige helle Gestalt erblickt, die Meridon in das Unterholz geführt habe, so er ihn dann habe nicht mehr finden können!

Tags darauf kehrte Magister Theodon zurück und berichtete, die Dorfleut hätten die Wahrheit gesprochen, der Felsgürtel rund um Hondarth sei gar gewaltig, doch nicht unüberwindlich, so dort auch Höhlen sichtbar wären, die auf die andere Seite des Gebirges führen mögen.

Er hätt jedoch weitere Bauten auf der Insel in der Bucht erblickt, auch auf dem Festlande selbst manch interessantes gesehen. Er berichtete von gar gewaltigen Seen, Wasserfällen und manchem alten Gemäuer im Schutze der dichten Wälder! Jedoch Menschen habe er keine erblickt.

Er war dennoch nicht tiefer geflogen, zu anstrengend seien die letzten Tage zu Pferde gewesen, als dass er hätt lang in den Lüften bleiben können. Doch ist zu berichten, er hatte nichts gefunden, was unser Ansinnen würde vereiteln können, hier neu anzusiedeln. Ferner sei es ihm wunderlich leicht von der Hand gegangen, seine Magie hier anzuwenden, es wäre ihm hingegen beinahe wie von selbst gelungen!

Medikus Meridon hingegen ward in den darauf folgenden Tagen der Suche und des Wartens nicht mehr gesehen, sodass wir, den Verlust des treuen Freundes bitter beklagend, den Ritt zurück ohne ihn antraten und seiner armen Seele den allzeitigen Frieden wünschten.

Zur Frage der Besiedelung und Ansiedlung unserer ehrenwerten Akademia kann ich nun mitteilen, dass dieses wunderliche Festland gleichwohl aufgrund der Lage, der Unbekanntheit, sowie auch der wahrlich geringen Besiedelung, ferner natürlich auch der teils unbekannten Flora und Fauna, geradezu prädestiniert wäre, die unsrigen zu beherbergen!

Welch interessante Tinkturen mag die eine oder andere anmutige Pflanze hier ergeben, welch wunderbare Wirkungsweise sie verbergen!

Das Verschwinden Meridons, ferner die magischen Vorkommnisse in diesem Zusammenhang geben zwar zur Vorsicht Anlass, hindern mich allerdings nicht, Atvia als neuen Standort der Akademia zu empfehlen. Derlei Vorkommnisse verlangen nach Aufklärung!

Ich vertrete die Meinung, der Ort unserer Landung wäre für uns die beste Wahl, mit der Errichtung der ehrwürdigen Hallen zu beginnen, Magister Theodon hingegen ist der Ansicht, dass wir uns, werte Magister und Kollegen, in der Nähe dieser schäbigen Ansiedlung Hondarth an der Bucht niederlassen sollten, um die Einwohner näher zu studieren, wohingegen ich wiederum dem, eher noch einen unzugänglichen Standort inmitten der hohen Felsen vorziehen würde.

Es steht zu befürchten, dass dies noch einige Versammlungen des großen Rates bedarf, jene Fragen endgültig zu klären.

Wartend auf den Tag der Versammlung des Rates

Euer Freund und Kollege

Magister Q.

Sustineo warf seine Überrobe ab und nahm in dem recht bequem aussehenden Sessel Platz. Er rückte sich das Lesepult zurecht und legte Feder und Pergament für seine Notizen neben sich. Die schweren Stulpenlederhandschuhe zog er aus und griff in eine Tasche um seinen feinen Ziegenlederhandschuhe heraus zu nehmen. Erst mit diesen griff er vorsichtig nach der Rolle und begann sie zu studieren. Es dauerte einen Moment bis er sich an die Handschrift gewöhnt hatte aber dann ging es zügig voran.

Sustineo hatte schon in so einigen Bibliotheken gesessen und er hatte sich daher auch eine besondre Art und Weise des Lesen angeeignet. Nachdem er sich an das Schriftbild gewöhnt hatte, überflog er den Inhalt um zu sehen ob es sich lohne die gesamte Rolle zu lesen. Danach las er sie intensiv durch. Und beim dritten Mal nahm er die Notizen heraus die er brauchte.

Nach etwa einer viertel Stunde hatte er alles soweit durch und brachte die Rolle vorsichtig wieder in den Zustand, in dem er sie überreicht bekommen hatte.

Sehr interessant, gibt es von diesen Schriften bzw. Berichten noch mehr? Werter Herr Berboran?“

Freilich, freilich, werter Magus! Haufenweise liegen die alten Schriften hier in meiner Bibliothek“ sagt er und lacht dabei, „doch nun wollen wir uns erst einmal etwas anderem zuwenden, denn keine Schriftrolle ist so voller Leben wie ein guter Erzähler. Nun kommt, werter Magus, es ist Zeit zu Speisen, zu Trinken und zu lauschen. Ich möchte euch jemanden vorstellen, Den Ihr gewiss nicht bald vergessen werdet. Er sitzt jeden Tag um diese Zeit in der Schenke zur Silbernen Elfe am Hafen und trinkt sein morgendliches Bier. Ich möchte euch nur bitten, habt Geduld mit ihm, er ist ein sehr alter Mann…“ ächzend steht Rhavin auf, reicht Euch euren Mantel und geht frohen Mutes – nachdem er seinen Schriftrollenraum abgeschlossen hat – aus der Bibliothek hinaus auf die Straßen Hondarth´

Etwas erstaunt greift Sustineo nach der Überrobe und folgt ihm auf die Straße hinaus.

Ein alter Mann sagt ihr? Mhh vielleicht so alt, das er einiges selbst miterlebt hat was er berichtet? Und er kennt sich mit dem arkanen auf Atvia aus?“

Nein, das wohl leider nicht, obwohl ich manchmal dafür nicht die Hand ins Feuer legen möchte“ spricht er lachend und betritt die „silberne Elfe“, wo ihn sogleich ein alter Mann in zerschlissener, ehemals wohl aber edler Kleidung und einem kurz geschnittenen grauen Bart, begrüßt. Der Alte steht auf und zieht Rhavin lachend und scherzend an einen Tisch. Als die beiden sich gesetzt haben, sieht er auf und ruft Euch zu:

Ah! Willkommen mein Sohn! Setzt euch zu mir und leistet einem alten Mann ein wenig Gesellschaft.

Keine Zeit die Jugend, hm? Ah! Ich will schon dafür sorgen, dass ihr es nicht bereut! Nehmet also platz und schenkt euch einen Humpen voll Met ein und lauschet meiner Geschichte:

Einst, vor vielen vielen Jahren, kam ich als junger Bursche, wie Ihr einer seid, hier nach Atvia. Meine Familie hatte durch einen schlimmen Brand alles verloren und so kam ich hier in Hondarth am Hafen an, mit nichts außer meinen Kleidern am Leibe.

Als die Garde mich aufgriff und festnahm, dacht ich wohl, mein letztes Stündlein hätt geschlagen!

Doch – gebt acht!- mich brachte man damals nicht etwa ins Gefängnis! Nein, zum Stadtobersten wurde ich gebracht, dem ich nur meine Herkunft und mein Begehr erzählen musste.

Doch das ungeheuerlichste geschah erst sodann: mir wurde die Wahl gelassen, ob ich weiterhin Gast oder ob ich Bürger dieser Stadt – und damit Bürger Atvias – sein wolle, wenn ich mich an die Gesetze halten und ein redliches Leben hier führen wolle. So etwas hatte ich nie vorher gehört! Natürlich nahm ich an und – heda! Euer Humpen ist ja leer! Schenkt euch noch nach, es ist ja genug da! – Jedenfalls nahm ich damals natürlich die Schriftrollen an und unterzeichnete. Gleich darauf wurde mir ein Beutel mit Silberstücken in die Hand gedrückt und ich konnte das Gebäude ungehindert verlassen. Da stand ich nun. Und wusste nicht so recht, wo zu beginnen.

Da ich hungrig war, trat ich in eine Schenke ein – in die gleiche Schenke, in der wir hier heute sitzen, junger Freund! Ja, tatsächlich! Sie war damals nur noch etwas kleiner! Haha! – jedenfalls bestellte ich sodann ein reichhaltiges Mahl. Und nachdem ich meine Geschichte ein zweites mal erzählt hatte, schickte der gute Wirt mich zum Hause der Bürger, wo ich Rat finden sollte, mir eine Existenz wohl zu schaffen, was ich dann auch sogleich Tat.

So kaufte ich mit Hilfe und Vermittlung des Stadtobersten schließlich ein kleines bescheidenes Haus hier in Hondarth, eröffnete einen kleinen Laden und genoss die Sesshaftigkeit, das geschäftige Treiben am Hafen, ruhige Stunden in der Ratsbibliothek und gemütliche Abende in den vielen Tavernen.

Wenn mich doch wieder die Abenteuerlust packte – ich war ja noch ein junger Bursche damals! Haha! – dann zog ich durch die riesigen, unerforschten Wälder dieses prächtigen Landes!

Als ich mich wieder einmal auf einer dieser Reisen befand, wurde der Frieden Atvias nachhaltig allerdings nachhaltig gestört:

Die Baronie Falkenburg, die schon lange Atvia als eine zu Falkenburg gehörende Insel ansah, forderte den Rat zu Hondarth unvermittelt auf, die Herrschaft über Atvia zügig und widerstandslos dem Baron zu Falkenburg zu überstellen.

Darauf reagierte der Rat mit einer Bürgerversammlung, in der einstimmig beschlossen wurde, die Forderungen der falkenburgischen Tyrannen nicht anzuerkennen, was auch - sehr höflich - auf Pergament verfasst -den Falkenburgern mitgeteilt wurde.

Viel später auf meinen Reisen sollte ich erfahren, dass die Baronie Falkenburg nicht zum ersten male die Absicht hatte, sich Atvia einzuverleiben.

Vor ziemlich genau 500 Jahren fielen die Falkenburger Schergen in einem noch kaum besiedelten Atvia über die nahe Stedding ansässige Magierakademie her und töteten in einem mehr als 5stündigen Gemetzel alle dort lebenden Magister. Hintergrund dieses Überfalles war die Tatsache, dass ebendiese Magier einige Jahre zuvor aus der Baronie Falkenburg geflohen waren, um den dortigen Schikanen zu entkommen.

Der Baron zu Falkenburg hatte begonnen, den magiekundigen seines Reiches mit Steuerbürden, Nachstellungen und willkürlichen Verhaftungen nachzustellen und schürte den Argwohn in der Bevölkerung.

Um dem drohenden Sturm zu entgehen, beschlossen die ältesten der Akademie zu Falkenburg, einige Kundschafter in ferne Lande auszusenden um nach einem unberührten Eiland zu suchen, dass den Verfolgten eine Zuflucht bieten sollte.

Wie die alten Schriftrollen in den Archiven zu Hondarth belegen, fanden die Kundschafter bald darauf die fast unbesiedelte Insel - Atvia – wie sie die Einheimischen nannten – und in einer Nacht- und Nebel- Aktion verließen die Magister das ihnen nun feindlich gesonnene Falkenburg und retteten sich und die ihren dorthin.

Doch diese Verfolgung war nicht der einzige Grund, der die Magister dazu bewogen haben mag, sich auf Atvia niederzulassen. Man munkelt, dass damals die Erdmagie, die heute noch zu geringen Teilen spürbar sein soll – natürlich nur von denen, die dieser Kunst mächtig sind – damals so stark gewesen sei, dass die den Magistern fast göttergleiche Macht verliehen hat! So hofften sie und waren guten Mutes, den Falkenburgern die Stirn bieten zu können, sobald sie das Geheimnis der Ströme der Erdmagie – wie sie es wohl nannten – enträtselt hatten!

Wenige Jahre darauf erfolgte – wie ebenfalls durch gefundene Dokumente belegt – der erste Überfall der falkenburgischen Armee, die sehr wohl erfahren hatte, wohin sich die Magister abgesetzt hatten.

Durch einen mörderischen Plan und durch Verrat aus den eigenen Reihen rotteten sie die Magister nahezu aus, zerstörten die Akademie und überzogen die angrenzenden Landstriche mit Angst und Schrecken!

Doch dann, nachdem sie fast die Hälfte Atvias gewaltsam befriedet hatten, zogen sie sich fluchtartig auf ihre Schiffe zurück, jedoch nicht, ohne einen Großteil der sowieso geringen Bevölkerung in Sklavenketten mit sich zu nehmen. Was der Grund für diesen Rückzug so nahe am Rande des Triumphes war, fand man niemals heraus.

Die wenigen überlebenden Magister schlossen sich zusammen und marschierten im Verborgenen hier nach Hondarth – bis dato eine kleine Fischerstadt – und gründeten vor fast genau 500 Jahren den Hohen Rat zu Hondarth, der noch heute besteht, wie ihr wisst.

Und ebenfalls bis in die heutige Zeit hinein waren die Falkenburger Invasoren nur mehr ein Märchen, das man den Kindern hier erzählt um sie zu ängstigen.

Nachdem also nun der Rat zu Hondarth dem Baron zu Falkenburg die Antwort des Volkes übermittelt hatte, erreichte Atvia ein eiliges Dekret, welches, nun weitaus weniger höflich, die sofortige Übergabe Atvias in die Hände der Baronie Falkenburg forderte. Nach einer 6 wöchigen Bedenkfrist sollte die gewaltsame Übernahme Atvias beginnen, so die Magister sich nicht beugten!

Der Rat beschloss, abermals in einer Bürgerversammlung, dem nicht nachzugeben und ersann –gemeinsam mit gewählten Vertretern des Volkes- einen Plan.

Nun, eben just während dieser Bedenkfrist, sollte die Feier zum 500jährigen Bestehen des Rates zu Hondarth stattfinden, zu der zahlreiche Gäste und Freunde Atvias aus vielen verschiedenen Ländern anreisen sollten um dieses denkwürdige Jubiläum feierlich zu begehen.

Da jedoch immer noch einige Wochen zwischen dem Ablauf der Frist und der Jubiläumsfeier stehen würden, beschloss der Rat, die Feier stattfinden zu lassen, um Falkenburg zu zeigen, dass man hierzulande eher gelassen mit dieser Bedrohung umzugehen wisse.

Hintergrund dieses Gedankens war natürlich auch die Tatsache, dass auch einige mutige und tapfere Helden - dem Rat wohl bekannt durch die Kämpfe um Stedding im Jahr zuvor – ebenfalls ihr Kommen angekündigt hatten und der Hohe Rat beabsichtigte, sie gegen gute Bezahlung in die Reihen der Verteidiger aufzunehmen, oder wenigstens ihren Rat anzuhören.

Doch geschah es anders, als alle gedacht hatten. Vieles hörte ich nur von anderen die tatsächlich dabei gewesen waren, doch ich habe mir schon meinen Reim daraus gemacht! Hört nun, was ich also davon für wahr halte:

Als die Schiffe, welche am Vortage des Jubiläums die Gäste nach Atvia befördern sollten, vor dem Hafen zu Hondarth eine Blockade fremder Kriegsschiffe vorfanden, wendeten sie unverzüglich und legten in einer geschützten Bucht etwa 20 Seemeilen westlich an. Dort wurden die Jubiläumsgäste nun an Land gesetzt und man holte Erkundungen ein.

Ein Bote aus Hondarth überbrachte auf dem Landwege die Nachricht, dass die Falkenburger nicht Wort gehalten, und bereits 4 Wochen vor dem Ablauf der Bedenkfrist zugeschlagen hatten. Durch gefangene Spione habe man erfahren können, dass es von vorne herein geplant war die Frist nicht abzuwarten, um die Atvianer in Sicherheit zu wiegen, und so ohne große Verluste Hondarth – und somit Atvia - einzunehmen.

Der Rat forderte in der überbrachten Botschaft die Kapitäne der Schiffe, ebenfalls die angereisten Gäste, auf, sich von Hondarth möglichst fernzuhalten, da der Einfall der Invasoren jeden Augenblick beginnen könne.

Die Gäste wurden also zu dem kleinen Weiler Dhorn gebracht, welches als Lehen dem Magister Zeration – einem angesehenen Mitglied des Hohen Rates! - unterstand. Dieser reiste, als er von der Ankunft der Gäste dort erfuhr, selbst dorthin und erklärte den Anwesenden – die sich derweil eingerichtet hatten und gut bewirtet worden waren - die Situation folgendermaßen:

Nachdem die Falkenburger so überraschend früh angekommen waren, hatten die Magister keine Gelegenheit gehabt einen neuen Plan zu fassen, Söldlinge anzuwerben, geschweige denn, die Bevölkerung Atvias zu einem Kriege zu rüsten, welche ja zu großen Teilen aus Bauern, Fischern und Handwerkern bestand!

So musste also etwas anderes geschehen. Es war also in einer eilends einberufenen Versammlung beschlossen worden, die Invasoren mit Hilfe der in Dhorn befindlichen Ehrengäste in eine Falle zu locken.

Der Hohe Rat ließ also durch Magister Zeration anfragen, ob die Angereisten für Ruhm und Gold bereit wären, eine kleine Reise zur Errettung Hondarth´und dessen Bevölkerung – wenn nicht sogar ganz Atvias – zu unternehmen.

Die Ehrengäste sollten von Magister Zeration unter Aufbietung all seiner Kräfte 500 Jahre in die Vergangenheit geschickt werden, um einige der Splitterstücke eines großen Kristalls zu bergen, welcher an genau diesem Tag – vor exakt 500 Jahren –beim ersten denkwürdigen Überfall der Falkenburger und der Zerstörung der Akademie zerbarst und dessen Teile von Elementarkurieren in Sicherheit gebracht worden waren. Man munkelte damals, dies sei der Kristall gewesen, in dem die Magister die Ströme der Erdmagie Atvias gebunden hätten!

Man sagt auch, in jenen, damals verloren gegangenen Splitterstücken, sahen die Magister des Hohen Rates ihre einzige Hoffnung und Machtquelle, die Falkenburger einzig mit ihrer Magie zurückschlagen zu können.

Während also die Verhandlungen mit den Ehrengästen über die Bedingungen und Gefahren dieser Reise in die Vergangenheit Atvias noch in vollem Gange waren, war hier in Hondarth die gesamte Bevölkerung – mit Ausnahme einiger weniger, welche als Lockvögel dienen sollten – in die umliegenden Wälder evakuiert worden und man erwartete den Einmarsch der Falkenburger – oder ein Wunder aus Dhorn.

Und tatsächlich erklärten sich die Gäste bereit, die gefahrvolle Reise zu unternehmen. Durch ein machtvolles Ritual, welches ich nicht wagen möchte hier beschreiben zu wollen, versetzte Magister Zeration die gesamte Gruppe der Ehrengäste in ein Dhorn vor 500 Jahren. Gerade an diesen Tag, als die Wellen der Falkenburger nach der Zerstörung der Akademie über Atvia hinwegfluteten und alles Leben mit sich nahmen, dessen sie habhaft werden konnten.

Ah. Verzeiht. ´s ist schon Mittag! Ich muss euch nun verlassen. Habt Dank, dass ihr einem alten Mann so lange und aufmerksam gelauscht habt! Haha! Und wenn euch interessiert, wie die ganze Sache weiterging, so kommt doch morgen zur gleichen Zeit wieder her, dann bin ich wieder hier und werde euch gerne mehr erzählen!

Gehabt euch wohl, junger Freund!

damit steht er auf und verlässt das Gasthaus, ohne seine Getränkezeche zu begleichen, was Rhavin dann milde lächelnd für ihn übernimmt.

“nun, er ist erstaunlich, nicht wahr?” fragt er Euch daraufhin.

Sustineo hat dem Mann aufmerksam zugehört. Er ist zwar nicht unbedingt derjenige, der gern Informationen aus einer Taverne bezieht aber wenn der Alte einen so guten Fürsprecher hat…

Zumal Bruchstücke der Erzählung hatte er auch schon irgendwo auf Atvia aufgeschnappt.

Einige wenige Bilder setzen sich aber bereits schon über die Magie Atvias zusammen. Diese seltsame Leichtigkeit bei unterschiedlichen Zaubern hatte er ja selbst schon mitbekommen. Dies bedarf noch einiger Nachforschungen.

Er hielt gerade noch Rhavin davon zurück und bezahlte die Zeche selbst.

Ich danke euch für diesen Tip. Ich werde auch morgen wieder sehen was er zu erzählen hat. Ich schlage vor, wir gehen am Blauen Ochsen vorbei und geben eure Bestellung auf und lassen es uns dann wieder liefern? Ich hätte durchaus noch Interesse an einigen Schriften?“

Wenn es Euch nichts ausmacht, werde ich Euch morgen wieder hier her begleiten, ich besuche ihn täglich, er hat mir in vielen Jahren zahlreiche Dinge berichten können, welche Ihr auch von mir niedergeschrieben in den atvianischen Archiven wieder finden werdet. Doch nun lasst uns wieder in die Bibliothek gehen und dort unser Mahl zu uns nehmen. Allerdings wird meine Köchin unglücklich sein, wenn ich ihre Küche heute schmähe. Seid Ihr sicher, werter Magus, dass ihr nicht doch gemeinsam mit mir die Speisen meiner Köchin kosten möchtet?“ langsam erbebt sich Rhavin und nickt dankend, als der Magier die Zeche übernimmt. Von dem starken Met ist ihm etwas schwindelig, denn hier trinkt man ihn mit Honigschnaps vermischt. „wollen wir nun gehen, werter Magister?“

Die wohlige Stärke des Mets hatte Sustineo durchaus mitbekommen und war erfreut darüber. Jedoch konnten ihn solche Dinge nicht so schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Bei so manchen Feldlagern seiner Großfürsten hatte er schon einige Hauptmänner von der Bank gesoffen. Er erhob sich ebenso, tarierte kurz den Schwindel aus und meinte dann:

Wie ihr wollt. Eine verärgerte Köchin bringt nur schlechte Stimmung ins Haus. Dann lasst uns ihre Kochkünste genießen. Für nach dem Essen lasst mich jedoch noch etwas zusteuern.“

Er griff nach einem Stück Pergament aus seiner Robe kritzelte schnell ein paar Zeilen darauf und griff sich einen der jungen Burschen vor der Taverne und schickte ihn mit ein paar Kupfer in die Herberge, wo er mit den Schwingensteinern wohnte.

Nun denn, lassen wir Eure Köchin nicht warten!“

Sie verließen die Schenke und überquerten die Kopfsteinpflasterstrassen Hondarth´. Dem Magister fiel auf, dass nahezu jeder Passant – und auch die Stadtwache – die ihnen begegneten Rhavin wohlwollend grüßten Manche sprachen ihn an, weil sie Neuigkeiten für – allerdings nur seine Ohren – hatten und Rhavin vertröstete sie alle höflich auf einen anderen Tag und verwies jeweils lächelnd auf den großen schlanken Magier mit der silbernen Kappe in seiner Gesellschaft.

Die Passanten beäugten diesen höflich aber distanziert und zogen alsbald ihres Weges.

Als sie wieder in die Bibliothek eintraten, schlug ihnen bereits ein appetitlicher Duft entgegen und tatsächlich fanden sie im Speiseraum des Nebengebäudes der Bibliothek, welches Rhavin bewohnte wenn er in Hondarth weilt, einen reichlich gedeckten Eichentisch. Sie entdeckten ein gebratenes Huhn, diverse gekochte Gemüse und ein großes frisch gebackenes Brot. Krüge mit frischer Milch, Met und Bier krönten die Tafel. Rhavin löste die Spange seines Mantels, führte ihn Richtung eines Hakens an der Wand und wandte sich der Tafel zu, ohne zu merken, dass der Mantel den Haken nicht erreicht hatte und leise raschelnd zu Boden fiel.

Doch da saß er schon und war bereits dabei, immer noch leise vor sich hin summend, mit seiner Linken dem gebratenen Huhn ein Bein auszurupfen, während er gleichzeitig sich und seinem Besuch schon einmal Milch in die großen, sauberen Holzbecher ausschenkte, die neben den Holztellern und dem Bestecken stehen.

Setzt Euch, setzt euch“, begann er, „solch gutes Essen darf man nicht kalt werden lassen…“

Sustineo fing den im Fallen begriffenen Mantel eben noch auf und hängte ihn zusammen mit seiner Überrobe schmunzelnd an den Haken

Sodann setzte er sich an das Gedeck, welches wohl für ihn gedacht war und bediente sich ebenfalls an Huhn und Gemüse. „Lasst es euch schmecken! Und seid bedankt für die Einladung.“

Mit nur wenigen Worten ging das Mahl vorüber.

Einige Zeit später erschien die Köchin im Esszimmer. Breit und gemütlich stand sie da und meinte

Es ist gerade etwas für einen Su…Sisti… für den Herrn mit der Silberkappe abgegeben worden.“ Dabei hob sie eine kleine Flasche mit einer klaren Flüssigkeit hoch und nach einem wohlwollenden Zunicken, brachte sie es an den Tisch.

Vielen Dank gute Frau und seid auch bedankt für das sehr vortreffliche Mahl. Man speist hier fast wie an Fürstenhöfen.“

Zuerst ungläubig schauend so als wolle man sie auf den Arm nehmen, blickte sie den Magier an. Der aber lächelte und sah dabei aufrichtig aus. Sie schwenkte um, wurde fast rot und zupfte an ihrer Schürze wie ein kleines Mädchen. „ Ach Herr meint ihr nun wenn es euch geschmeckt hat dann wartet ab bis ihr meinen Kuchen probiert habt.“ Dabei räumte sie die Reste weg und verschwand leicht hüpfend in der Nebentür.

So verehrter Herr, hier nun was ich versprach zuzusteuern. Ein Vodka aus der Sommburgischen Privatdestille. Nehmt nur einen kleinen Schluck, denn er ist gefährlich!“ Verschmitzt schauend schüttete Sustineo etwas von der klaren Flüssigkeit in Rhavins und seinen Becher. „Auf Atvia“ und mit einem Schluck verschwand das Gebräu in seiner Kehle.

Soso, eine Privatdestille“, meinte Rhavin während der die Flüssigkeit im Becher einer näheren Inspektion unterzog, „und für wie viel Kupfer, Silber oder Gold vertreibt ihr diesen – wie nanntet ihr das noch gleich - ?“. Ohne auf eine Antwort zu warten kippte Rhavin den Inhalt des Bechers hinunter und ein verschmitztes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, während ihm ein leises „aaah“ entfuhr.

Nachdem sein Gesicht wenige Sekunden später wieder seine natürliche Farbe angenommen hatte, erwiderte er lächelnd: „Vielleicht könnte man dieses Interessante Gebräu in die Warenliste derer zu Klemmstein aufnehmen, oder – wenn ihr Interesse daran hättet – könntet Ihr den Hohen Rat durch meine Vermittlung auch selbst um die Lizenz zum Vertrieb nachsuchen. Die Handelsliste des hiesigen Handelshauses Klemmstein kennt ihr doch sicherlich bereits?!“

Nun es freut mich, dass es euch mundet. Nicht ich selbst vertreibe dieses Gebräu. Eigentlich Herr von Sommburg. Eine Aufnahme in die Liste ist sicher sehr sinnvoll und wenn ihr vermitteln könntet wäre sicher Schwingenstein sehr dankbar. Ich lasse euch die Flasche hier und würde euch Herrn von Brocken anempfehlen, da er ebenfalls mit dem hohen Rat in anderen Dingen Kontakt aufnehmen möchte. Die Handelsliste würde ich gern auch noch einmal in Augenschein nehmen.“

Er schob die Flasche an ihn weiter. In diesem Moment erschien erneut die Köchin mit einem breiten Lächeln trug sie einen Kuchen herein, stellte ihn ab und legte beiden Herren ein recht großes Stück vor. Es war wein Napfkuchen in welchem sich kleine Fruchtstücke befanden. Er war ganz frisch, fast noch warm und lockerleicht. Er schmeckte!

Die Köchin zufrieden ging wieder als sie die Gesichter gesehen hatte!

Können wir uns wieder den Schriften zuwenden?“

Jaja, doch, gut ist das Gebräu sicherlich“, grinste Rhavin versonnen und wischte sich mit einem überdimensionalen Taschentuch die gerötete Stirn, „gern werde ich Herrn von Brocken einmal anschreiben und für eine Eingabe beim Hohen Rat sorgen, jaja, das sollte jeder mal versucht haben. Uuh.“ Im aufstehen begriffen wandte er sich noch einmal um und schnappte sich den Kuchennapf und murmelte beim hinausgehen:“kommt, werter Magister, lasst uns die Handelsliste für euch heraussuchen und die anderen Schriften, die Ihr studieren wolltet“..und mit Napfkuchen und der Stoffserviette noch unter dem Kinn verließ er den Speiseraum in Richtung der Bibliothek, wo er den Napf auf dem Schreibtisch abstellte und sich sofort in den Schriftrollenraum begab um dort leise summend herumzustöbern.

Sustineo, folgte im leicht lächelnd nach. Irgendwo erinnert er ihn an seinen Lehrmeister. Wenn dieser etwas wollte, vergaß er auch die Welt um sich herum und stand auch schon mal mit der Serviette auf…

Ihr verzeiht, die stört euch doch sicher nur…“ Mit diesen Worten griff er vorsichtig nach dem Zipfel der Serviette und nahm sie ihm ab. Dann legte er sie neben den Kuchen auf den Tisch ab. Sustineo lies sich in dem Sessel von vorhin nieder und beobachtete ruhig das Auf und Ab des Schreibers, bis dieser wieder mit einer Schriftrolle an ihn herantrat.

Ah“, tönt es lautstark aus dem Nebenraum, „hier ist sie ja!“ und überreicht eine etwas staubige Schriftrolle. „Es ist wohl nicht die neueste leider. Doch wenn der Mercator des Handelshauses weiterhin ständig abwesend ist und nicht bald die Berichte einreicht, die der Hohe Rat regelmäßig erwartet, braucht er sich wohl gar nicht die Mühe machen, eine neue zu verfassen…“ brummelt er und verschwindet wieder im Nebenraum um nach weiteren Rollen zu kramen…

Handelsliste des ehrenwerten Handelshauses

Klemmstein

Unser Kontor in Hondarth, Atvia, bietet zurzeit folgende Waren feil:

Schaffelle

In weiß, braun und schwarz und bester atvianischer Qualität. Für den Seehandel natürlich in Wachstüchern verschnüret. 9 Kupfer das Lamm, 15 Kupfer das Schafsfell

Hornwaren

Kämme, Knöpfe und Besteck bester Qualität. Handgeschnitzt und von herrlicher Farbe. Kämme klein: 3 Kupfer das Stück, groß: 5 Kupfer das Stück. Knöpfe für 1 Kupfer das Stück, Besteck für 2 Kupfer das Stück.

Wolle

dergleichen in weiß, braun und schwarz, fein gefilzt, zum einspinnen bestens geeignet. Dicht, warm und weich für harte Winter. 4 Kupfer der gewachste Ballen.

bestes Bauholz

hervorragende Qualität in rauen Mengen sofort lieferbar. Preisnachlass für den Transport mit eigenem Fuhrwerk. 2 Kupfer für den Überseeversand je Baum.

atvianische Kohle

In 10-Stein-Säcken verpackt, mit Fischöl wasserdicht abgerieben. fast Rusfrei, ein wahres Angebot! 2 Kupfer der Sack

Holzwaren

Herrliche Flöten, Bürsten, Waschbretter, Küchennäpfe und Trinkbecher für die kleinere Geldkatze. Alle Waren handgeschnitzt und geölt, in hellem und dunklem Holz

Flöten: 3 Kupfer das Stück, Becher, Waschbretter, Bürsten und Näpfe je 2 Kupfer das Stück.

Edle Tuche

garantierte atvianische Handwebware. Farbecht und beinahe reißfest. Zu haben für 2 Kupfer die Elle Wollstoff, 4 Kupfer die Elle Linnen.

Wir führen passend dazu auch Garne für 1 Kupfer die Spule und Borten bester Qualität in drei Farben für 3 Kupfer die Elle.

Atvianischer Eiswein

geerntet und gekeltert in den Hohen Hügeln Atvias. Eine wahre Köstlichkeit für den Kennergaumen. Der besondere Geschmack wird Euch begeistern!

3 Kupfer der Krug, ab 5 Krüge: 2 Kupfer der Krug.

Tonwaren

kleine atvianische Kunstwerke des in Hondarth ansässigen Töpfers, einjedes einzigartig:

kleiner Trinkbecher - Die Elfe - 2 Kupfer das Stück

Trinkbecher mittlerer Größe - Der Wanderer - 3 Kupfer das Stück -

großer Trinkbecher - Der Zwerg - 5 Kupfer das Stück

Ferner bieten wir an:

-Tonschalen und Schüsseln für beinahe jede Gelegenheit

sicher verpackt, in Baumspähne eingeschlagen zur Reise an den heimischen Herd, je nach Größe für 2 bis 10 Kupfer zu haben

-Kleine Tonöfen für die Reise durch die kalten Lande

einer unserer beliebtesten Artikel. Es wird empfohlen immer ein wenig unserer atvianischen Kohle zum Betrieb des Ofens mitzuführen.

Fischöl

Ein atvianisches Unikat. Dichtet alle Textilien sicher gegen Sturm, Nebel und Gischt. Unerlässlich für jede Schiffsreise, der angenehme Fischgeruch vertreibt auch unerwünschtes Ungeziefer und Diebe. (Gilt nicht für Katzen aller Art) hier und jetzt zum besonders günstigen Preis von 4 Kupfer das Fass.

Lederwaren

schöne Miederwaren, Westen mit Schafsfell gefüttert, feine Schuhe und Beinkleider, Geldkatzen aller Art und Farbe zu besonders günstigem Preis. Handgenäht, Leder von besten atvianischen Schafen.

Mieder für 3 Kupfer das Stück, Westen für 5, Schuhe für 6 Kupfer das Stück. Beinkleider für 5 Kupfer und Geldkatzen für 2 Kupfer das Stück zu haben.

Erze

unbearbeitetes Kupfer:

beste Qualität, hochrein, in großer Menge lieferbar, Transportkosten sind im Einzelnen nachzufragen. Geeignet zur Herstellung von edlem Geschmeide sowie von Werkzeug. 1 Silber der halbe Stein

unbearbeiteter Zinn

gute Qualität, zur Verarbeitung zu Werkzeug bestens geeignet. in mäßiger Menge lieferbar. Transportkosten sind im Einzelnen nachzufragen. 1 Silber 5 Kupfer der halbe Stein.

unbearbeitetes Eisenerz

beste Qualität, zur Herstellung von Werkzeug, Waffen und Rüstungen aller Art hervorragend geeignet. In großer Menge auch nach den Festlanden lieferbar. Bezahlung hier jedoch vor dem Versandt.

unbearbeitetes Silber:

in mäßiger Menge lieferbar. Geeignet für die Münzprägung und zur Herstellung von edlem Geschmeide. Hochreine Qualität, ein wahres Angebot! Bezahlung hier nur vor dem Versandt. 10 geprägte Silber der halbe Stein

unbearbeitetes Gold:

nur in geringer Menge vorhanden, jedoch von guter Qualität zur Herstellung von edlem Geschmeide geeignet, sowie zur Münzprägung. Bezahlung hier nur vor dem Versandt. 50 geprägte Silber der halbe Stein.

Edle Steine

Rosenblutsteine, Drachenaugen, Meersteine, Sonnensteine!

in geringer Menge, allerdings bester Qualität lieferbar zur Herstellung von Edlem Geschmeide. Bezahlung hier nur vor dem Versandt.

dunkelrote Rosenblutsteine: 16 geprägte Silber das Stück

wunderschöne Drachenaugen: 22 geprägte Silber das Stück

tiefblaue Meersteine: 29 geprägte Silber das Stück

Sonnensteine von großer Klarheit: 36 geprägte Silber das Stück

Atvianische Honigwaren

Atvianischer Met

beste atvianische Qualität aus dem Norden des Landes, ein Genuss für Kenner, in großen Tonkrügen lieferbar, natürlich mit Wachs versiegelt. 8Kupfer der Krug.

Atvianischer Honig

von den sonnigen Hochwäldern des Landes. Zuckersüß und goldgelb. In großer Menge lieferbar, nur 4 Kupfer der versiegelte Krug.

Bienenwaben

die süße Nahrung für unterwegs. Die Larven sind äußerst nahrhaft und verhelfen rasch wieder zu Kraft auf anstrengenden Wanderungen. Auch für Kinder sehr zu empfehlen. In gewachstes Linnen eingeschlagene Waben 2 Kupfer der Stein

Wachskerzen in großer Menge und vielen Formen

formschöne Kerzen von hervorragender Qualität. Angenehmer Duft und lange Brenndauer. Fürwahr ein Angebot! 3 Kupfer für den Stein

Bienentee

Aus dem Kalten Norden Atvias. Wohl erprobt bei Krankheit und Kälte. Die getrockneten Bienen einfach aufkochen, nach einer kleinen Weile aus dem Becher fischen und Heiß zum Tee genießen. Ebenfalls bei Kindern sehr beliebt. 2 Kupfer der halbe Stein im kleinen gewachsten Beutelchen.

Honignaschwerk

kleine, in Zucker gedrehte Honigwaben. Atvianisches Unikat. Sehr zu empfehlen für Kinder 2 Kupfer der Stein

wohltuende Tränke

von dem in Hondarth ansässigen Kräuterweibe Serenla

Trank der Gesundung - Wohlauf -

für den erkrankten Wanderer. Es erfolgt eine rasche Belebung der schwer gewordenen Glieder, eine wohltuende Wärme erfasset den Körper und der Weg ist nur noch halb so lang. (90 Vol.-%)

Der Trank verdirbt nach 4 Dunkelmonden. 5 Kupfer das Krüglein.

Trank der Kraft - Ogerwald -

Wertvolle Kräuter sorgen für die schnelle Kraftreserve unterwegs zur passenden Gelegenheit. Wirkt sofort nach der Einnahme. Es sei jedoch gewarnt, wenn die Wirkung nachlasset, ergreift eine völlige Erschöpfung den Körper, die Stunden andauern kann.

Der Trank verdirbt bei kühler Lagerung nach 2 Dunkelmonden.

Bis zum Winter zu haben für 16 Kupfer das Krüglein.

Trank der Heilung - Schlachtfeld -

unerlässlich für jeden tapferen Recken der sein Schwert für Sold schwingt. Wunden verheilen rasch und sind nach wenigen Stunden vergessen.

Doch sei gewarnt, wer sich zu früh wieder genesen fühlet und sich erhebt !

Nach der Einnahme bleibe der Verletzte wenigstens für eine Handvoll Stunden ruhig und ohne Kampf, die Wirkung verliert sich ansonsten.

Das Gebräu verliert mit Ablauf von 2 Dunkelmonden seine Wirkung, so es nicht eingenommen ist bis dorthin.

Den Trank mit wahrlich angenehmem Honigduft bieten wir feil für 20 geprägte Kupfer das Krüglein.

Wundkräuter - Waldwiese -

die lange haltbare Variante der Kräutersude unseres Kräuterweibleins.

Mit angenehmem Duft halten sich diese getrockneten, geriebenen Heilkräuter über viele Dunkelmonde, so sie trocken und kühl gelagert werden.

Sie schützen vor Wundbrand, so sie auf die Wunde gelegt werden und verhelfen zu einer leicht beschleunigten Heilung.

Für den Kunden mit alchemistischer Begabung sei gesagt, dass wenn keine Frischen Pflanzen zu finden sind, auch aus unseren Trockenkräutern ein Tränklein gebraut werden kann, so man die nötigen Kenntnisse und Materialien zu Hand habe. Die Wirkung dieses Sudes ist allerdings nicht allzu stark.

Das Säckchen Wundkräuter bieten wir feil für 5 Kupfer. Nach Einbruch des Winters für 8 Kupfer.

Sustineo überflog auch hier die Rolle und kommt schnell zu den Waren, welche ihn interessieren. Er notierte den Absatz über die Tränke und fügte die Süßwaren hinzu. Für solche Naschereien ist sein Großfürst sehr zu haben. Dann rollte er das Pergament wieder sauber zusammen und gab es zurück.

Hier ist noch eine Rolle, die Euch interessieren könnte“, sagte Rhavin, der er gerade mit einer dicken Staubschicht auf Haar und Schultern wieder aus dem Schriftrollenraum heraustrat, „doch zündet Euch doch eine Lampe an, werter Magus, ihr verderbt Euch ja die Augen bei dem schwachen Licht des Kamins“. Und schon war er wieder hinter der schweren Eichentür verschwunden und man hörte ihn brummeln und kramen.

Atvianische Archive, Teile einer Studiumsschriftrolle für Jungelfen, geschätztes Alter : 223 n.B. Atvia, gefunden im Jahre Atvia 430 in einem ledernen Behältnis im Skelett eines Höhlenbären, welcher zu sichten im atvianischen Tierschauhaus. (Öffnungszeiten von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang.Eintritt: 2 Kupfer)

Der Jungelf präge sich also ein:

Die atvianische Bevölkerung besteht nahezu ausschließlich aus Handwerkern, Holzhauern und Anbauern von Feldfrüchten.

Der gemeine Atvianer misst nahezu 18 El, die Weibchen gewöhnlich um 16 El; eine geringe Zunahme während der letzten 120 A.J. sei hier festzuhalten.

Die atvianische Bauweise beschränkt sich meist auf Kunstwerke aus Baumholz und festem gespannten Leinen, aller Farben, dergleichen auch in der Kleidung erkennbar. - siehe auch Lektion 3, die atvianische Kleidung -

Scheint der atvianische Ureinwohner auch manchmal recht einfach strukturiert, sei man dennoch auf der hut, denn gar listenreich zeigte er sich bereits in manchen Situationen!

Dergleichen befleißige man sich großer Geduld und lasse die atvianische Bevölkerung stets mit gebührender Unnahbarkeit die Ohren beschauen, denn merke: unsere Rasse ward hier zuvor nie gesehen!

Stets zu vermeiden sei die Ungeduld vor allem mit den Weibchen! Dies steht einem Elfen nicht zu Gesichte! Gleichwohl zugestanden wird, so sie gelegentlich ein wenig schwierig zu sein scheinen.

Obgleich der gemeine Atvianer ein überaus gastfreundliches Wesen zu sein scheint, sei dem werten Jungelfen dennoch angeraten, etwaig vergorene Getränke oder dampfende Speisen abzulehnen, so ihm angeboten werden, daweil man sich entsinnen sollte dem Erscheinungsbilde des Jungelfen Salemion, der zurückkehrte von seiner Queste mit verbrannter Zunge und brummendem Schädel!

Nun noch ein Rat. Auch wenn Ihr Euch in Gefahr wähnet, lasset Euch die Warnungen unserer verehrten Frau Hochmagistra eine Warnung sein! Tastet nicht die Erdmagie, wo auch immer ihr sie spüren möget! So es Angehörigen unseres Volkes auch leicht erscheint sie zu rufen und zu nutzen, ist dies wie Ihr wohl wisset, Euch erst in Eurem Endsemestra gestattet!

Sodann, werte Jungelfen, verehrte Jungmagister, bleibt mir nur euch viel Erfolg zu wünschen, dergleichen eine unbeschadete Heimkehr zur Akademie nach eurer ersten Erfahrung mit den atvianischen Ureinwohnern!

Telemion, Magister und Lehrmeister der atvianischen Volkskunde

Sustineo brachte eine der nebenstehend Lampen zum leuchten und erhellte damit den doch recht düsteren Raum. Ja so war es durchaus besser. So schnell wie der Archivar hin und her sprang, so schnell konnte sich auch Sustineo die Schriften ansehen. Er stellte auf dem Weg von ihm noch auf einen Tisch ein Glas mit dem Sommburgischen Wodka und machte sich dann wieder seine Notizen aus der eben bekommenen Rolle.

Ah! Hier ist noch ein Schriftstück von unserem fleißigen Botschafter Kereven Gershwin, den Ihr gewiss schon kennen gelernt habt“, brummelte Rhavin, als er wieder zu Sustineo zurückgeschlurft kam, „und hier – oh, das sind ja sogar 2! Hmm. Dieser Karon, dieser Karon. Tststs. Aber nunja, ich hatte sie immerhin noch nicht vermisst“, lachte er und legt die 3 Schriftrollen auf dem kleinen Lesepult nieder, und schon war er wieder in Richtung des Archivraumes unterwegs, nicht jedoch, ohne sich vorher ein großes Stück Napfkuchen mitzunehmen.

Hochverehrte Magistra Larissa zu Falkenfels-Braunach

Es wird Euch eine Freude sein zu erfahren, dass meiner Reise zur Bibliothek Waldenburg in der Provinz Alaron des Reiches Symburn ein unerwartet großer Erfolg beschieden war.

Zwar war es mir nicht möglich, Handelsabkommen abzuschließen, die unseren Händlern Vorteile bringen würden, aber dafür gelang es mir, im Austausch für jene Schriften, von denen bereits Rhavin zu Berboran begeistert war, Abschriften der Bibliothek zu erwerben.

In erster Absprache mit dem Herrn der Bibliothek ,Meister Merkutio erbat ich Abschriften für die Atvianischen Archive, die sich als nützlich für unsere Emissäre und Handelsvertreter, sowie für die äußeren Angelegenheiten unserer Insel im allgemeinen erweisen dürften.

Als erste Präzision dessen, was wir erbitten würden, nannte ich Karten der Mittel- und Südlande, Beschreibungen einzelner Reiche, Abschriften der Verträge über Abkommen und Allianzen diverser Länder, landeskundliche Werke sowie Völker- und Rassekundliche Schriften. Im Weiteren würden sich meines Erachtens auch Werke der Gift- und Pflanzenkunde als sinnvoll erweisen, um rechtzeitig den Handel mit bedrohlichen Substanzen einschränken zu können. Die Bibliothek verfügt auch über einen großen Fundus an Schriften zur Magie, was spezifisch für den Hohen Rat von Interesse sein könnte.

Allerdings stellte ich klar, dass die Entscheidung, wovon Abschriften angefertigt werden sollen dem Hohen Rat vorbehalten sei. Daher bitte ich Euch, eine Entscheidung zu treffen, welche Schriften erworben werden sollen und diese Entscheidung baldmöglichst Meister Merkutio oder meiner Wenigkeit mitzuteilen.

Im Weiteren traf ich eine elfische Bardin, die vor zwei Monaten in Begleitung des Ehrenbürgers Corax Wolkenstein unser Land bereiste.

Sie erkundigte sich nach den Konditionen zur Erlangung der atvianischen Bürgerschaft, da sie dank der Wirren, die einen Teil der Mittellande derzeit heimsuchen heimatlos geworden war.

Ich unterbreitete der Dame unsere Bürgerrechte und verwies sie an zuständige Stellen in Hondarth, erwähnte jedoch auch, dass der Ehrenbürgertitel auch an verdiente Nicht-Atvianer verliehen werden könne.

Aufgrund ihres Berichtes empfehle ich, für die Belange Atvias wichtige Handelsschiffer davon in Kenntnis zu setzen, dass in der gegenwärtigen Lage von Handelsfahrten in die nördlichen und östlichen Mittellande abzuraten ist.

Hochachtungsvoll

Kereven Gershwin, Botschafter des Landes Atvia

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Bürgerrechte der Bürger der Stadt Hondarth

Eynjedem Bürger sey gestattet, im Rahmen der Edikte zu Hondarth, allerorts auf atvianischem Boden Handel zu treiben und Gewinn daraus zu ziehen.

Mit vorliegendem Pergament erwirbt der Bürger gleychfalls Anspruch auf den Schutz der ansässigen Garde zu Hondarth sowie die Erlaubnis zur Errichtung von Gebäuden aus Stein, Tuch oder Holz, seien sie einzeln nicht größer als das Haus der Bürger, ferner sei dem jeweiligen Bürger gestattet bis zu drei Dutzend Arbeitskräfte und bis zu zwei Dutzend Schutzleisten anzuwerben und gegen Lohn zu beschäftigen.

Im Falle der Begründung einer Niederlassung auf atvianischem Boden sey dem jeweiligen Bürger ferner ab dem 2. Jahre der Ansiedelung das Recht zugestanden für einmalig 2 Taler – zu zahlen an das Haus der Armen und Waisen zu Hondarth - einen Sitz bei der jährlichen Wahl des Hohen Rates zu Hondarth sowie das Stimmrecht hierfür zu erwerben.

Eynjeder Bürger habe das Recht, seyne Meinung frei zu reden und die der Anderen anzuhören. Er soll nicht verfolget werden, ob seyner Meinung, Herkunft, Art oder Rasse, dergleychen Religion oder schändlicher Taten, so sie nicht auf atvianischem Boden oder zum Schaden eynes Atvianers stattgefunden haben.

So der Bürger sich auf atvianischen Besitztümern fremdländischer Gerichtsbarkeit gegenübersehe, mag er jederzeit die Hilfe des Hohen Rates zu Hondarth, deren Vertreter oder Bevollmächtigten in Anspruch nehmen, um klären zu lassen, ob dergleychen Verfahrensweise rechtmäßig sey.

Jedweder Bürger hat das Recht, sich im Falle der Anzeige nach eyner Straftat selbst vor dem Hohen Rat zu verteidigen oder sich von eynem schriftlich Bevollmächtigten verteidigen zu lassen.

Eynjeder Bürger fremder Rasse dergleychen fremder Sprache, habe ab dem sechsten Mond nach seyner Ansiedelung zumindest so gut die Sprache des Landes Atvia zu beherrschen, so er dies im Falle einer Anklage vor dem Hohen Rat zu Hondarth zu seiner Verteidigung brauchen werde.

Eynjeder Bürger hat das Recht, sich so lange Nahrungsmittel, ferner Gewänder und Schuhwerk, welche im Hause der Armen und Waisen zu Hondarth gefertigt und gelagert werden, ausgeben zu lassen, so er dies benötige, dennoch nicht über mehr als 4 Monde hinaus.

Jedoch habe er, so er wieder zu Lohn und Sold gekommen sey, für denselben Raum an Zeit selbige Menge an Mitteln zurückbringen zum Haus der Armen und Waisen, aufdass er seyne Schuld ausgleyche.

Mit eygenhändiger Unterzeichnung dieses Ediktes erkennt der unterzeichnende Bürger im Namen aller die da nach ihm kommen die festgehaltenen Klauseln an.

____________________________________

Bürger, die die Edikte bislang noch nicht durch ihre Unterschrift anerkannt haben, mögen dies tun, sobald es ihnen möglich sey.

Wünsche auf Abänderungen können dem Hohen Rat zu Hondarth jederzeit vorgetragen werden. Soll das Anrecht der Bürgerschaft erlöschen, sey dem Hohen Rat dieser Wunsch auf Pergament zur Abstimmung zu überbringen.

Die Bindung an die Rechte und Pflichten dergleychen Bürger erlischt in diesem Falle frühestens nach der Abstimmung des Hohen Rates am darauffolgenden Dunkelmond.

Edikte zu Hondarth

I

Den Bürgern zu Atvia sey es nicht gestattet innerhalb befestigter Stadtmauern mehr als 2 Dutzend bewaffnete Söldner anzuwerben, aufdass Ruhe und Ordnung innerhalb der Stadt gewahrt bleibe und dies von der Stadtgarde zu jeder Zeit gesichert seyn kann.

II

Es sey auf Atvias Boden untersaget, Menschen und Angehörigen anderer Rassen und Völker, gleich welchen Standes, einen Glauben aufzuzwingen. Der eigene Glaube sei durch freie Wahl zu treffen, die ist Wunsch und Wille des Hohen Rates.

III

Dergleychen sey geahndet, so jemand einem anderen Bürger die eigene Meinung durch Drohung oder empfindliches Übel zu beschneiden versuche.

IIII

Dem handeltreibenden Bürger Atvias obliegt die Fürsorge für alle Arbeiter und Schutzleisten welche ihren Sold von ihm erhalten.

Verstöße der Söldlinge gegen die Edikte zu Hondarth dergleychen der Guten Sitten sind vom jeweiligen handeltreibenden Bürger dem Hohen Rate anzuzeigen. Tut er dies schuldhaft nicht, werden ihre Vergehen gehalten, als seyen sie die seinen.

V

Es sey untersaget, die Errichtung von Gebäuden aus Stein, Tuch oder Holz, innerhalb der Stadtmauern zu Hondarth, seien sie einzeln größer als das Haus der Bürger.

VI

Den Bürgern Atvias sey es nicht gestattet folgende Waren ohne schriftliche Genehmigung des Stadtobersten zu Hondarth in einen befestigten Hafen einzuführen oder auf atvianischem Boden feilzubieten:

- Pulver, Tränke und Tinkturen welche den sofortigen Tod hervorrufen.

- Hoch brennbare Materialien (auch alchemistische Materialien nur nach vorheriger Genehmigung) da Gefahr für den Hafen dergleychen für die Stadt bestehen würde.

- Zum Weiterverkauf bestimmte nordländer-(ische) Waffen und andere Verkaufsartikel so Rüstungen, Schilde oder Lederwaren aus diesem Landstrich. Hondarth wünscht hier keinerlei Handelsbeziehungen.

- Zum Schutze vor einer weiteren Seuche:

Tiere mit bekannt ansteckenden Krankheiten, zeigten sie auch nur derartig Anzeichen während der Seereise.

-Dergleychen erkrankte Reisende, Besatzungsmitglieder oder Söldlinge an Land zu setzen die sich nicht bester Gesundheit erfreuen. Der jeweilige Hafenmagistrat sey hier hinzuzuziehen.

VII

Zudem obliegt es den atvianischen Bauern, Fischern, Handwerkern und Arbeitern 3 Kupfer, den atvianischen Handelsleuten 4 Kupfer und zugezogenem fremdländischen Adel 5 Kupfer pro Mond aus ihrem Verdienst an den Hohen Rat zu Hondarth als Steuer abzuführen für die Schutzdienste der Garde, die Instandhaltung der Befestigungsanlagen der Städte, ferner für die Kosten der Verwaltung und der täglichen Speisungen der Armen und bedürftigen Bürger.

VIII

Es seyen dem Hohen Rate anzuzeigen folgende

Vergehen und Verbrechen:

Vergehen gegen das Leben oder die Gesundheit eines Menschen oder Angehöriger anderer Rassen und Völker, gleich welchen Standes,

Vergehen gegen die Freiheit eines Menschen und Angehöriger anderer Rassen und Völker, gleich welchen Standes, so er sich dessen nicht willig zeige.

Gefahr des Wohles und der Interessen des Landes Atvia, all seyner Bürger und geehrter Gäste, seyner Besitztümer und Güter durch Verleumdung, Verrat oder falsches Zeugnis.

Derartig Vergehen sey dem Hohen Rat unverzüglich anzuzeigen. So ein Bürger dies nicht tue, sey er genauso bestraft wie der

Missetäter daselbst.

Erweyse sich der angeklagte Bürger jedoch als schuldhaft falsch bezichtigt des Vergehens, so soll der Beschuldiger bestraft werden mit dergleychen Strafe, die den Unschuldigen getroffen hätte.

IX

Verursacht ein Bürger schuldhaft oder durch Unachtsamkeit Schaden an Leib, Leben oder Gut eines Anderen, so hat er für entsprechenden Ausgleich zu sorgen. Zeige sich eine Einigung als nicht möglich, sey der Hohe Rat oder dessen Stellvertretung als Gerichtsbarkeit aufzusuchen.

X

Gefährlich geisteskranke Bürger seyen direkt dem Rate zu Hondarth zum Versuche der Heilung zu überstellen. So eine Heilung sich als unmöglich erweise, werden dergleychen Bürger für jedwedes Vergehen schuldlos gesprochen. Jedoch seyen sie nach einem einzigen angezeigten und zweifelslos erwiesenen Verstoß gegen die Edikte auf ein Leben in den Wäldern oder der Burg der tausend Stimmen zu Rondule zu verbringen, aufdass sie niemandem Schaden zufügen mögen.

XI

So ein Bürger Atvias ertappt werde bei einem Vergehen gegen das Hab und Gut und das Vermögen eynes anderen, sey er ebenso zu bestrafen.

Nun war es doch etwas viel geworden. Sustineo zog noch eine Überrobe aus und überflog im Schnellverfahren die Schriften. Die Bürgerrechte waren interessant, jedoch für ihn im Moment nicht sonderlich wichtig. Er war Bürger von Kankowia-Saluun und wollte dies auch nicht ändern. Jedoch vermerkte er, dass eine Kopie der Rollen durchaus nützlich sein konnte.

Vielmehr interessiert ihn die Frage, wie der hohe Rat entschieden hatte zu den Abschriften über Magie aus der besagten Bibliothek.

Bei nächsten auftauchen von Rhavin, fragt er:

Verzeiht gibt es aus der Waldenburger Bibliothek Abschriften über die Magie? Und ich möchte, noch gern die Fortsetzung der Berichte, der Magier aus der frühen Besiedlung von Atvia studieren, falls ihr da noch etwas habt.“

Ah, ja“, entgegnete Rhavin und unterdrückte ein Gähnen, „da habe ich noch einige Schriftrollen hier. Die Ausfertigungen der Bürgerrechte und der Edikte überlasse ich euch gerne, wir haben davon reichlich, wie ihr seht. Das Schreiben von Botschafter Gershwin hingegen ist erst vor einigen Tagen hier eingetroffen und ich erwarte noch täglich die Antwort des Hohen Rates abfassen zu dürfen. Doch wie ich unsere verehrte Hochmagistra kenne, wird sie Keveren wahrscheinlich bitten, alle Schriften kopieren zu lassen, derer er habhaft werden kann und ihm sogleich einen Beutel Gold für die Schreiber mitschicken.“ grinste er und legte seinem wissensdurstigen Gast weitere Rollen vor.

Überreste des Berichtes eines Passagiers der “Wogenreiter” aufgefunden bei Grabungen in Hondarth im Jahre 423 Atvia.

Zu sichten in den atvianischen Archiven zu Hondarth zusammengefügt und verwahrt auf Ehre und Gewissen:

Rhavin zu Berboran

Bewahrer der Archive zu Hondarth.

…Betraten am siebten Tage des Mondes…..zum ersten Male die Planken der Wogenreiter.

..waren Flüchtlinge …nichts mehr zu erwarten….

….vertäuten unsere wenige Habe und schliefen auf Deck.

…Kurs führt uns weit in die unbekannten Gewässer vor…

…ausgestoßen und vergessen….

… mit …. Hilfe neue Heimat zu finden ….der Tyrannei zu entkommen und ..

..zu beanspruchen und niederzuschreiben die wundersam Geschehnisse auf dieser Reise.

……Fahren Tag um Tag auf die weite See hinaus. Die ….. Winde sind gut und tragen uns schnell voran.

Die …und klagen…..

…..spürt unsere Unsicherheit. Der Maat ließ den Rest der Vorräte verteilen, das hielt ……

..kein Lachen drang mehr über das Deck der Wogenreiter…..

…..noch immer kein Land gesichtet. Kurs weiterhin Süd-Südost. .

… wird langsam unruhig, weiß dass kaum noch Wasser an Bord ….

.. mehr sicher waren. ….

Finden wir nicht bald ein Festland wird die ……sterben, das ist gewiss.

Am 3. Tag des Mondes……. furchtbares Unwetter….Strafe des Ewigen…..

.Segel rissen wie Laken u…wurde der Bug durch Riffe stark beschädigt….

…nahmen rasch Wasser.

…Brecher rissen viele ….über Bord , ….klammerten uns an Kisten fest und schwammen …..auf die Klippen zu….viele zerschellten….

….viele Tote, doch …..sahen wir….Morgengrauen Land…

..die verletzten verbunden …erteilten den letzten Segen den …..schwammen dann los….Buch und Feder gerettet…erreichten nicht alle den Strand…..

Viele Wasserläufe an Land ….

…sahen fremde Tiere und Vögel…viele dichte Wälder…..ist dies, so scheint es bisher auf keiner Karte verzeichnet…

unbekanntes Festland ….Ozean… fanden….

Die Männer glauben das Schiff….reparieren und damit zurückfahren zu berichten und die zu holen …neu anzufangen…

..keine Ketten….keine Tyrannen mehr….

….werde hier bleiben….mit Hilfe des Ewigen eine…..Siedlung errichten …mag sein sogar einen Tempel zu Ehren…den Namen meiner…. soll es erhalten…AT..VIA…

Atvianische Schriftrollenarchive (Abschrift eines Briefes, gefunden im Jahre Atvia 511 in den Ruinen bei Hondarth)

Werter Magus, verehrter Kollege!

Euer Dokument erreichte mich am heutigen Tage, und gar erstaunt war ich zu lesen, dass ihr bereits solch eine lange Zeit im Besitz dieser erstaunlichen Information seid, ohne sie dem Rat preisgegeben zu haben!

So lasset mich den Grund eures Vorgehens verstehen, denn ist es nicht das, wonach wir seit Jahren suchten?

Dieses Festland ward noch nie erwähnt und scheint gänzlich unbekannt und wie geschaffen uns zu beherbergen! Ferner zu schützen vor allen Nachstellungen und Schandtaten, welche an uns begangen!

Sendet mir euren schnellsten Boten, denn wisset, die Zeit drängt!

Berichtet mir umgehend wann ihr aufzubrechen gedenkt und welche Bewachung ihr mitzunehmen dachtet!

Doch umgehend informiert Ihr den Rat, Werter Magister, denn ein eigenmächtiges Vorgehen könnte euch mehr kosten als ihr zu verlieren imstande seid!

Euer Freund und Kollege

Magister Zeration

Atvianische Schriftrollenarchive (Abschrift einer Schriftrolle, gefunden im Jahre Atvia 511 nahe den Ruinen zu Hondarth)

Werter Magister Zeration, werter Freund!

Ich teile euch am heutigen Tage voller Freude mit, es sei, dank den unglaublichen Bemühungen unseres großen Magisters Cyamdhar, nun an der Zeit, uns hier niederzulassen und fortan in Frieden hier zu leben!

Die Bauten entstanden aus den Wolken! aus Regen! Aus Wind!

Ach, hättet ihr es doch miterleben können! Ein wahrlich großes Schauspiel bot er uns dar! Ein wahrlich würdiger Meister ist uns gesandt!

Mit ihm als unserem Lehrmeister werden wir nicht wieder fehlen!

So macht es bekannt und verbreitet die Kunde unter den unsrigen! Bald sind wir frei und finden ein neues Zuhause auf diesem wundervollen magischen Festland!

Ihr werdet es erleben, die Möglichkeiten hier sind nahezu unerschöpflich! Eine uns fremde Form der Magie ist hier zu finden, die so mächtig ist, dass wir nie wieder fürchten müssen! Atvia ist kaum besiedelt und die wenigen Menschen hier meiden uns! Niemand wird uns stören! Ihre gutmütige Ängstlichkeit soll uns nicht schrecken, bei dem, was wir durchmachten!

Diesmal hält uns keiner auf! So komm, lieber Freund und schnüre Dein Bündel, es ist Zeit von vorn zu beginnen!

Ich zähle die Tage bis zu Deiner Ankunft in Hondarth! Wundervolle Experimente warten auf uns!

Dein alter Freund und Kollege

Magister Menertin

Bevor er wieder entwischen konnte hielt ihn Sustineo zurück:

Ich schlage vor ich lese diese hier noch durch und dann machen wir Schluss für heute? Wir treffen uns dann morgen in der Schänke und dem alten Mann wieder zu treffen?“

Formularbeginn

ja, eine wunderbare Idee. Ah, hier ist noch ein altes Schreiben aus den Vertragsverhandlungen zwischen den Wirkstroems und dem Hohen Rat, zu deren Abschluss es leider nie kam. Der Hohe Rat bedauerte dies damals nicht unbedingt, soweit ich mich erinnere, da er die Wirkstroems als unzuverlässig einschätzte, was sich leider dann als richtig herausstellte“, brummte er und legte einige weitere Rollen vor Sustineo ab. Seine Schritte wurden nun zusehends müder, als er wieder in den Schriftenraum hinüberschlurfte.

Atvianische Archive, Abschrift einer Schriftrolle für das Handelshaus derer zu Wirkstroem

Verfasser: Karon Rabenhand als vertretender Schreiber des Hohen Rates zu Hondarth im Auftrage der Magistra Larissa von Falkenfels, Vorsitzende des Hohen Rates zu Hondarth.

Verehrter Herr von Wirkstroem,

Der Hohe Rat war erfreut zu erfahren, dass Rhavin zu Berboran seine Reise nun beendet hat und wieder wohlbehalten in Hondarth eingetroffen ist.

Der Hohe Rat schenkt Eurem Ansinnen ein Handelskontor in Hondarth zu gründen wohlwollend Gehör und wird Euren Antrag bei der Zusammenkunft zum nächsten Dunkelmond bescheiden.

Bis zu diesem Zeitpunkt werdet Ihr höflich ersucht, gemäß den geltenden Edikten zu Hondarth, eine Liste der Waren zu Pergament zu bringen, welche Ihr im Falle eines positiven Bescheides feilbieten würdet.

Der Hohen Rat ersucht Euch, dieselbe dem Hohen Rat anschließend zukommen zu lassen, damit sich der Hohe Rat ein Bild machen kann, mit welchen Handelswaren ihr zum Reichtum und Wohlstand der Bevölkerung Atvias beizutragen wünscht, wie Eurem Schreiben zu entnehmen war.

Eine Niederlassung des von Euch erwähnten Handelshauses Klemmstein ist seit vielen Jahren im nördlichen Hafenviertel ansässig, und bislang liefen die Beziehungen zwischen dem Hohen Rat und dem jeweiligen Mercator dieses Kontors in Freundschaft und zu beiderseitigem Vorteil ab.

Es ist die Absicht des Hohen Rates, dies in dieser Form beizubehalten.

Der von Euch erwähnte Handelsmagister Cassius Morgenthau ist dem Hohen Rat gut bekannt. Gleichwohl ist der Magister nicht der in Hondarth ansässige Mercator der Niederlassung Klemmstein, vielmehr pflegt er ständig die Festlande auf Wanderschaft zu durchreisen, um sich um neue Handelsbeziehungen zu bemühen.

Der Hohe Rat möchte gern erfahren, ob die Gespräche mit selbigem Handelsmagister auf Atvia stattfanden und ob der Magister noch verweilt oder den atvianischen Boden bereits verlassen hat, leider war dies Eurem Pergamente nicht zu entnehmen.

Ohne Euren Wunsch nach einem natürlichen Wettbewerb beschneiden zu wollen, würde es der Hohe Rat wohlwollend aufnehmen, wenn im Falle der Genehmigung zur Eröffnung eines Kontors für Eure Familie, ein absoluter Machtkampf der beiden Handelshäuser, durch einen, von beiden Häusern auszuarbeitenden und dem Hohen Rat vorzulegenden Kontrakt , vermieden werden könnte.

Der Hohe Rat möchte auch hierzu, vor der Abstimmung über die Genehmigung, gern den Standpunkt derer zu Wirkstroem erfahren.

Um die Befürwortung Eures Ansinnens zum Ausdruck zu bringen, wäre der Hohe Rat bereit, Euch, im Falle eines positiven Beschlusses, einige, zur Zeit leer stehende, geräumige Gebäude im Süden des Hafenviertels zu überlassen, in welchen Ihr Euer Handelskontor eröffnen könntet.

Der Hohe Rat würde einer Errichtung des Kontors in diesen Gebäuden sehr wohlwollend gegenüberstehen, da es möglichst zu vermeiden sei, die beiden Handelsniederlassungen in unmittelbarer Nähe beieinander anzusiedeln.

Solltet Ihr dem zustimmen, würdet Ihr nach Abschluss des Handelsvertrages mit der Stadt Hondarth, sodann zudem die Bürgerrechte der Stadt genießen dürfen, welche wären

-Anspruch auf den Schutz der ansässigen Garde sowie die Erlaubnis zur Errichtung von Gebäuden aus Stein, Tuch oder Holz, seien sie einzeln nicht größer als das Ratshaus, ferner sei dem jeweiligen Mercator gestattet bis zu drei Dutzend Arbeitskräfte und bis zu zwei Dutzend Schutzleisten anzuwerben und gegen Lohn zu beschäftigen.

Im Falle der Gründung der Niederlassung würde dem jeweiligen Mercator des Handelshauses Wirkstroem ferner ab dem 2. Jahre der Ansiedelung das Recht zugestanden werden für einmalig 5 Taler einen Sitz bei der jährlichen Wahl des Hohen Rates zu Hondarth sowie das Stimmrecht hierfür zu erwerben.-

Dem Anliegen nach einer Taverne entsprechend kann derer zu Wirkstroem auch hier auf Wunsch vom Hohen Rat eine Räumlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Eine halbe Wegstunde westlich der Stadt, jedoch an einer der drei befestigten Zugangsstrassen welche nach Hondarth hineinführen, läge, an einem Waldstück auf einer Lichtung, ein geräumiges, gut erhaltenes Bauernhaus.

Ein Feuer zerstörte vor Jahren die Stall- und Gesindegebäude, jedoch ist das Bauernhaus in bestem Zustand und wäre für Euer Anliegen wie geschaffen.

Um auch hier euer Ansinnen zu honorieren würde der Hohe Rat Euch und den Eurigen gerne, unabhängig von der Genehmigung des Handelskontors, Steuerfreiheit und eine Schankgenehmigung je für 2 Jahre gewähren, denn eine sichere Taverne für müde Wanderer auf dieser Zugangsstrasse anzusiedeln war lange der Wunsch des Hohen Rates.

Nach diesen beiden Jahren würden sich die Abgaben für die Taverne auf 4 geprägte Kupferstücke je Mond belaufen.

Solltet Ihr hierfür Interesse zeigen, wird der Hohe Rat gern einen Abgesandten schicken, der den Schlüssel zu dem Gebäude besitzt und mit Euch die Örtlichkeit besichtigen wird.

Da der Hohe Rat Eurem Anliegen wohlwollend gegenübersteht, überließe er euch das Gebäude für den Preis von 2 geprägten Silbertalern, oder einer großzügigen Spende Eurerseits an das Haus der Armen und der Waisen zu Hondarth.

Da Ihr, ehrenwerter Bruno von Wirkstroem, erwähntet, Atvia in absehbarer Zeit wieder verlassen zu wollen, fragt der Hohe Rat weiterhin an, wer der Mercator sein solle, der das, im Falle einer Genehmigung, errichtete Handelskontor sowie die Taverne sodann führen werde.

In Hoffnung auf baldige Aufnahme der Vertragsverhandlungen verbleibt der Hohe Rat

mit den besten Segenswünschen

i.A.

Karon Rabenhand

als vertretender Schreiber des Rates zu Hondarth

verfasst im Auftrage der Magistra Larissa von Falkenfels

im Auftrage des Hohen Rates zu Hondarth

Verfasst gemäß den Edikten der Stadt Hondarth aus dem Jahre 465 n.B., Verfasser: Rhavin zu Berboran als Schriftführer des Hohen Rates zu Hondarth im Auftrage der Vorsitzenden des Hohen Rates zu Hondarth Magistra Larissa von Falkenfels-Braunach

Kontrakt

Dem jeweiligen Mercator des zu Wenzingen ansässigen Handelshauses Klemmstein, gegründet von Aurelius Denarius Klemmstein, sey gestattet in der Hafenstadt Hondarth eyn Handelskontor unter folgenden Auflagen zu eröffnen, zu betreiben und Gewinn daraus zu ziehen:

Dem Handelshause Klemmstein sey es nicht gestattet mehr als 2 Dutzend bewaffnete Söldner anzuwerben, aufdass Ruhe und Ordnung innerhalb der Stadtmauern gewahrt bleibe und dies von der Stadtgarde zu Hondarth gesichert seyn kann.

Dem Mercator des Handelshauses obliegt die Fürsorge für alle Arbeiter und Schutzleisten welche ihren Sold von ihm erhalten. Verstöße der Söldlinge des Handelshauses gegen die Edikte zu Hondarth sind vom jeweiligen Mercator dem Rate anzuzeigen.

Dem Handelshause, unter Vorsitz des jeweiligen Mercators, sey es, entsprechend den zu befolgenden Edikten des Hohen Rates zu Hondarth, nicht gestattet folgende Waren ohne schriftliche Genehmigung mindestens zweyer Mitglieder des jeweiligen Hohen Rates in den Hafen einzuführen oder feilzubieten :

-Pulver, Tränke und Tinkturen welche den sofortigen Tod hervorrufen.

-Hoch brennbare Materialien (auch alchemistische Materialien nur nach vorheriger Genehmigung) da Gefahr für den Hafen dergleychen für die Stadt bestehen würde.

-Zum Weiterverkauf bestimmte Nordländer-ische Waffen und andere Verkaufsartikel so Rüstungen, Schilde oder Lederwaren aus diesem Landstrich. Hondarth wünscht hier keinerlei Handelsbeziehungen.

- Zum Schutze vor einer weiteren Seuche:

Tiere mit bekannt ansteckenden Krankheiten, zeigten sie auch nur derartig Anzeichen während der Seereise.

Dergleychen erkrankte Reisende, Besatzungsmitglieder oder Söldlinge an Land zu setzen die sich nicht bester Gesundheit erfreuen. (Der Hafenmagistrat sey hier hinzuzuziehen.)

Mit vorliegendem Vertrage erwirbt das Handelshaus Klemmstein gleychfalls das Bürgerrecht der Stadt Hondarth, Anspruch auf den Schutz der ansässigen Garde sowie die Erlaubnis zur Errichtung von Gebäuden aus Stein, Tuch oder Holz, seyen sie einzeln nicht größer als das Rathaus, ferner sey dem jeweiligen Mercator gestattet bis zu drei Dutzend Arbeitskräfte anzuwerben und gegen Lohn zu beschäftigen.

Zudem obliegt es dem Handelshause Klemmstein 3 von 200 verdienten Talern an den Hohen Rat der Stadt Hondarth als Steuer abzuführen für die Schutzdienste der Garde, die Instandhaltung der Befestigungsanlagen der Stadt, ferner für die Kosten der Verwaltung und der täglichen Speisungen der Armen und bedürftigen Bürger.

Dem jeweiligen Mercator des Handelshauses Klemmstein sey ab dem 3. Jahre der Ansiedelung das Recht zugestanden für einmalig 5 Taler einen Sitz bei der jährlichen Wahl des Hohen Rates zu Hondarth ferner das Stimmrecht hierfür zu erwerben.

Mit Unterzeichnung dieses Kontraktes erkennt der Unterzeichnende Mercator im Namen aller die da nach ihm kommen die Vertragsklauseln an.

Wünsche auf Abänderungen können dem Hohen Rat zu Hondarth jederzeit vorgetragen werden.

Soll der Kontrakt aufgelöst werden, sey dem Hohen Rat dieser Wunsch auf Pergament zur Abstimmung zu überbringen. Der Kontrakt erlischt in diesem Falle frühestens nach der Abstimmung des Hohen Rates am darauffolgenden Dunkelmond.

in Namen und Vollmacht des Aurelius Denarius Klemmstein, Begründer, Inhaber und Oberster Handelsmagister des Handelshauses Klemmstein :

Cassius Morgenthau, Handelsmagister Mercator

Im Namen des Hohen Rates zu Hondarth

Magistra Larissa von Falkenfels- Braunach

Auf Wunsch des Hohen Rates zu Hondarth

abgefasst im Jahre AT:

Rhavin zu Berboran

Bewahrer der Atvianischen Archive

Abschrift aus den atvianischen Schriftrollenarchiven (gefunden im Jahre Atvia 532 in einem Fischerdorf bei Kilore)

Atvia 116 n.B.

Werter Meister Menertin

Vor gar langer Zeit habt Ihr uns verlassen! Mein Vater und ich hofften so lange, Ihr würdet euch besinnen und uns noch einmal aufsuchen um der alten Zeiten Willen. Leider wurde unsere Hoffnung enttäuscht.

Werter Magister Menertin, ich bringe euch schlimme Kunde. Mein Vater verstarb bei dem letzten Angriff auf die Akademie, auch Magister Cervatus und Otirmon sind nicht mehr unter den Lebenden. Unsere Kräfte schwinden dahin!

D er Erste des Rates versammelte die verbliebenen am gestrigen Tage in den Ruinen der großen Halle um uns Lebewohl zu sagen. Gar schmerzlich war der Abschied, doch alle die blieben sind nun Tot.

Nun, allein und völlig ausgebrannt schreibe ich euch diese Zeilen auf meines Vaters letzte Bitte hin, als Abschied.

Ich sah die Schiffe der Ketzer landen und verbarg mich noch rechtzeitig mit der wenigen Magie die mir geblieben war! So schwer es mir war, ich sah die stolzen Türme fallen, ich hörte sie alle sterben. Doch unsere Magie wird, dessen bin ich mir gewiss, in diesem Boden die Zeiten überdauern!

S o werde auch ich auf dem Festland von Atvia verweilen und mir unter falschem Namen ein Obdach suchen. Es bleibt mir zu hoffen auf bessere Zeiten, in denen uns nicht überall Verfolgung und Vernichtung droht, so diese jemals kommen mögen.

Für immer euer Freund

Zertinus , Sohn Zerations

Formularende

Mit wachsendem Interesse verfolgte Sustineo die Geschichte der Magier auf Atvia. Es war nur schade, dass immer nur Fragmente auftauchen. Er machte sich viele Notizen und verband mit Hilfe eines Zahlensystems die einzelnen Bruchstücke so, dass sie später ein Ganzes ergeben konnten.

Er sah Rhavin nach, der stetig langsamer werdend durch die Gänge schlich. „Rhavin, verzeiht, wollen wir Schluss machen für heute? Es ist schon spät? Ich komme morgen früh wieder. Soll ich euch etwas mitbringen zum Frühstück?“

Ah, ja. Etwas ausruhen wäre nicht schlecht“, seufzte Rhavin und lockerte seine verspannten Muskeln, „Ihr wollt aber eine ganze Menge Schriftrollen einsehen, Werter Magus. So lasset uns zum Morgengrauen wieder hier treffen. Ah! Einen Moment noch. Hier habe ich noch etwas ganz besonderes für Euch. Es ist noch weitgehend nicht untersucht auf Alter, den Verfasser oder die merkwürdige Tinte, mit der es verfasst wurde, darum ist es sehr wertvoll und nur im Original vorhanden. Doch zuerst brauche ich Euer Wort, dass ihr hiervon keine Notizen machen werdet. Denn wisset“, und er rückt Eurem Ohr etwas näher“, diese Rolle existiert nämlich nicht.“

Sustineo sah Rhavin an, zog den rechten Handschuh aus und reichte ihm seine beringte Hand. „Mein Wort darauf, keine Notizen von dieser Rolle, denn sie existiert nicht!“

Dabei schaute er ernst und feierlich aber seine Augen leuchteten dabei.

Rhavin nickte ihm zu und breitete dann leise kichernd eine – augenscheinlich sehr alte – Schriftrolle vor sich aus. Seine Müdigkeit schien mit einem Mal wie weg geblasen, als er Sustineo leise und feierlich den Inhalt der Rolle vorlas.

Als er geendet hatte, blickte Rhavin auf um des Magus´Reaktion auf die vorgelesenen Zeilen auszumachen.

Es ist kaum zu glauben, dass ein Mensch all dies in Erfahrung gebracht haben soll und dennoch mit dem Leben davongekommen ist. Das ist auch der Grund, warum die Augen und Ohren – der Informationsdienst des Hohen Rates – ständig auf der Suche ist nach Beweisen, Schriften und Neuigkeiten zu diesem Thema“ , schloß er und sah den Magier fragend an.

Sustineo hatte die ganze Zeit schweigend zugehört und versuchte so viel als möglich im Gedächtnis zu bewahren. Und so viele Dinge kamen ihn aus den letzten Wochen auf Atvia so bekannt vor.

Rhavin ich denke ich muss wohl mit dem Informationsdienst sprechen. Ich habe die Spehren getroffen, die Licht und auch die Dunkelspheren. Ich weiß einiges zu berichten….“

Ich weiß, ich weiß, guter Magus. Was dachtet Ihr denn, warum andere seit Wochen auf die Audienz im Herz der Archive warten und ihr nur anzuklopfen brauchtet?“ kicherte er leise. „Doch seid nicht ungeduldig und vertraut dem Verwahrer der Schriften und seinen Auftraggebern. Ihr werdet bald alles verstehen“, und Sustineo zuzwinkernd packte er die kostbare Rolle wieder vorsichtigst in ihren ledernen Umschlag und verwahrte sie in seinem Schreibtisch. „Ich habe hier noch etwas für Euch, dass euch vielleicht über die letzten Abendstunden beschäftigen wird“, und er überreichte eine Schriftrolle, „denn ihr habt es ja eilig, soviel ich weiß…?“

Nun hatte Rhavin eine der seltenen Momente erlebt in denen Sustineo, wenn auch nur ganz kurz, sprachlos vor ihm stand. Dann bedankte er sich, nahm die Schriftrolle unter seine Robe und mit einer leichten Verbeugung entschwand er auf die Straßen der Hauptstadt in Richtung Herberge. Seine Gedanken versuchend zu ordnen und sich doch wieder wundernd, das auf Atvia doch alles so anders sei als anderswo - und doch wieder vieles so gleich!

Kaum in seiner Herberge eingetroffen, öffnete er die letzte der Rollen, die ihm Rhavin für die Abendstunde gegeben hatte und las lächelnd.

Zeugnis für die Botenkatze

Ausgestellt auf Wunsch und Drängen selbigen Wesens

von Rhavin zu Berboran, Schriftführer und Bewahrer der Archive zu Hondarth,

bei welchem die Botenkatze für 4 Monde in Sold und Futter stand.

Hiermit versichere und bestätige ich, Rhavin zu Berboran, die Geeignetheit des Katzenwesens „Rrraul“ zur Botenkatze.

In vielen Botengängen verrichtete nur in einem Falle, die genannte Botenkatze den ihr erteilten Auftrage nicht in vollem Umfange und im Sinne ihres Auftraggebers.

Zu erwähnen sey, dass hier wohl auch mitunter das Verschulden bei einem Wolfswesen lag, welches den Weg der genannten Botenkatze kreuzte, was scheinbar zur Folge hatte, dass sodann jenes genannte Wolfswesen, die ebenfalls genannte Botenkatze beinahe zu Tode hetzte, wobei der bereits genannten Botenkatze die zu übergebende Schriftrollenhülle, ferner einige Fellteile – wohl augenscheinlich des hinteren Endes der genannten Botenkatze – von dem ebenfalls genannten Wolfswesen, entrissen wurden.

Zugute halten muss man dem genannten Katzenwesen jedoch, dass es zwar ohne die zu überbringende Schriftrolle, jedoch augenscheinlich sichtlich stolz auf die erlittenen Verletzungen sowie mit dem, wohl dem genannten Wolfswesen gehörenden, Münzenbeutel im Maul zurückkehrte, wie immer sie diesen auch erhalten hatte.

Abschließend sey also erwähnet, dass die Botenkatze – genannt „Rrraul“ – in der Lage ist, tragbare und gut verschlossene Botschaften zu transportieren, zu beschützen und auszuliefern.

Verfasst von Rhavin zu Berboran,

in dankbarer Erinnerung an die treue Botenkatze „Rrrraul“

Am anderen Morgen erwartete Rhavin Sustineo bereits vor der Tür der Bibliothek. Er trug an diesem Tag nicht wieder die braune unscheinbare Robe, sondern eine Schwarz-Goldene Tunika mit einem grünen Mantel, den er jedoch links herum angelegt hat.. „Mein Staatswand“, bemerkte er grinsend auf Sustineos irritierten Blick hin. Und gemeinsam schlenderten sie durch das Wenige, was an Sonne bereits durch den Nebel von Hondarth drang, in Richtung der Taverne.

Der Alte Mann saß tatsächlich wieder am gleichen Tisch in der Schenke wie am Tag zuvor, doch saß er diesmal nicht allein vor seinem Getränk, sondern eine junge Frau war bei ihm, der er offensichtlich gerade eine alte atvianische Geschichte erzählte. Er freute sich sichtlich seine Besucher vom Vortag wieder zu sehen, und zog sie sogleich an seinen Stammtisch in der Ecke des Gasthauses. Er stellte die junge Dame als Rhianna vor und, über den nun größeren Kreis der Zuhörer sichtlich erfreut, fuhr er auch bald fort zu erzählen.

Was Rhavin? Ihr kennt diese alte Geschichte auch noch nicht? Dann setzet euch zu mir, ich will euch aus längst vergangenen Zeiten berichten!

Es waren einmal zwei Zwerge, ein Zwergenpaar genau genommen, die sich in unserem kleinen Dörflein Stedding ansiedelten. Sie begannen sodann, für die damaligen Dorfleute zuerst recht unverständlich, damit, Mienen und Stollen in den Berg zu treiben.

Hatten sie zuerst in einer Hütte in der Nähe des Dorfes gelebt, bezogen sie nach einiger Zeit einen ihrer Stollen und waren ab dann nur noch seltene Gäste im Dorf.

Rolosch Eisenaxt kam regelmäßig in die Taverne, um ein Fass Bier zu erwerben und Goldherz sah man nur, wenn eine Warenlieferung aus dem entfernten Hondarth eingetroffen war.

Da das Dörfchen zu dieser Zeit nicht mehr selbst über einen Gerber oder Tuchhändler verfügte, sandte man gewöhnlich den Köhler mit dem Büttel als Begleitschutz durch den Wald nach Hondarth, um dort die Besorgungen zu erledigen, was nicht immer ohne Schwierigkeiten ablief, denn die Wälder waren zu jeder Zeit schon voller Gefahren, so reiste man um der Sicherheit Willen meist nachts und schlief bei Tage.

Schon bald fiel den Dorfbewohnern auf, dass die Zwerge nicht mehr mit den Münzen zahlten, die sie bei ihrer Ankunft mitgebracht hatten, sondern mit kleinen Edelsteinen, oder flach gehämmerten, rötlichen Goldbröckchen, die aus der Miene zu stammen schienen.

Als die Dörfler die Zwerge daraufhin ansprachen, bekamen sie die deutliche Order, sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Auch jeglicher Versuch der, meist jüngeren, Dörfler in die Stollen der Zwerge zu gelangen scheiterte, da die beiden niemanden in die Nähe ihrer Stollen ließen, und den Eingang gut befestigt hatten. Der Wirt und Vorsitzende des Dorfzirkels untersagte daraufhin den Bewohnern des Dorfes die Zwerge zu belästigen. Sie zahlten gut für alles was sie brauchten und brachten dem Dorf so einigen Wohlstand.

Die Jahre vergingen. Rolosch und Erdherz Eisenaxt lebten friedlich und oft hörte man sie hämmern oder des Abends auch singen. Etwa im 20. Jahre nach ihrer Ansiedelung bekam Goldherz einen Sohn. Rogan Roloschsohn Eisenaxt. Rolosch und Goldherz richteten ein großes Fest aus, und Bier und Met flossen in Strömen. Die freundlichen Dörfler hießen den jungen Zwerg willkommen und freuten sich mit den stolzen Eltern.

Der junge Rogan war auch in späteren Jahren im Dorf gern gesehen, da er sich schon früh darauf verstand, alle Arten von Metallarbeiten auszuführen, und im Dorf selbst kein Schmied ansässig war.

So kam es, dass er im zarten Alter von 40 Jahren bereits eine Schmiede im Dorf erbaute und seine eigenen Wege ging, sehr zum Ärger seiner Eltern.

Er fertigte neben Ackergerät auch Äxte und Schwerter, welche er selbst nach Hondarth brachte und dort für gutes Gold verkaufte. Selten war er noch bei seinen Eltern zu Gast.

So kam es eines Winters, dass er von einer solchen Reise nicht mehr heimkehrte. Wochenlang suchte man ihn in den Wäldern, doch vergebens.

Es war ein besonders harter Winter gewesen. der erste in denen die Wölfe sich aus Hunger sogar ins Dorf gewagt hatten, und die Dörfler viel Vieh einbüßten, bevor sie der Plage mit angeworbenen Bogenschützen Herr wurden. Die Zwerge sah man nun immer weniger im Dorf. Sie hatten sich ganz zurückgezogen und ließen sich nun das nötigste zum Leben vor ihren Stollen tragen.

Im darauf folgenden Jahr wüteten die Frühjahrsstürme auf Atvia heftiger denn je. Mächtige Gewitter rollten über die Berge und vernichteten große Teile der Ernten der Dörfler.

In einer eilends einberufenen Sitzung des Dorfzirkels beschloss man, die Zwerge um ein wenig Gold zu bitten, um das notwendige an Nahrung aus Hondarth zu erwerben um dieses Jahr zu überstehen.

Als die Delegation der Dörfler jedoch vor der Miene stand, war diese ein Trümmerfeld. Rolosch lag von einem mächtigen Monolithen erschlagen vor dem Stollen, den sie bewohnt hatten, Erdherz lag mit schweren Wunden unweit des Stollens auf dem Wege zum Dorf. Sie war dem Tode nahe. Sie berichtete von einem riesenhaften Wesen, dass aus dem Stollen gekommen sein und mit einem Felsen ihren Geliebten Rolosch erschlagen habe.

Die Dörfler begruben nach ihrem Tode seine geliebte Goldherz neben der Felsplatte, die ihn das Leben gekostet hatte, wie sie es ihr versprechen mussten, nebeneinander. Sie meißelten den toten Zwergen zum Gedenken eine Inschrift in die Felsplatte: Hier ruht Rolosch Eisenaxt und sein Schatz. Ewige Ruhe den Toten.

Das Gold, welches sie in Truhen im Stollen der Zwerge fanden, wurde dem Vorsitzenden des Dorfzirkels in Verwahrung gegeben, und half den Bewohnern über manches schwere Jahr hinweg.

Die Miene, soweit sie nicht sowieso eingestürzt war, schütteten die Dörfler zu. Niemand sollte diese verfluchten Stollen wieder betreten und darin umkommen.

Doch heute noch hört man schaurige Geschichten über den Stollen. Die Erde bebe dort. Felsen rollten ins Tal hinab, nähere sich jemand dem alten Stollen zu sehr, der Geist der beiden Zwerge finde keine Ruhe und gehe darin um.

Doch gebt mir euren Becher, mein Freund, genug der alten Schauermärchen aus längst vergangenen Tagen, ihr müsst doch durstig sein…“

Sustineo reichte seinen Becher und gab dem Wirt ausreichend Silber um auch die nächsten Runden am Tisch zu begleichen. Zu dem Abenteurer gewandt:

Erzählt doch bitte die Geschichte von gestern fort. Die mit der Zeitreise und dem Erdkristall.“

Lächelnd registrierte der Alte, dass seine Zwergengeschichte bei dem Magus nicht ganz so gut ankam, wie bei der Dame, die er als Rhianna vorgestellt hatte und Rhavin, der sich schon eifrigst Notizen machte.

Sich reckend und in seinem Stuhl aufrichtend sah er Sustineo kurz und eindringlich in die Augen und fuhr dann, nach einem großen Schluck aus seinem Bierhumpen, gemächlich mit der Geschichte fort, während alle Anwesenden ein Stückchen näher rückten um zu lauschen…

Nachdem also die Abenteurer, die eigentlich Ehrengäste hätten sein sollen, zugestimmt hatten, sich vom ehrenwerten Magister Zeration in die Vergangenheit versetzen zu lassen, versammelten sie sich alle auf einem kleinen Feld nahe der Siedlung Dhorn, mit allen Waffen deren sie habhaft werden konnten – denn sie waren ja eigentlich zu einem Feste geladen worden und nicht um in den Krieg zu ziehen. Schließlich wirkte Magister Zerations Magie und den Versammelten wurde schwarz vor Augen.

Was ab dann mit den Abenteurern geschah, ist kaum zu glauben. Nur Bruchstücke ihrer Berichte drangen an unser Ohr. Geschichten von einem Friedhof, der zuvor dort nicht gewesen war, einer weißen Götterstatue – wohl eine der vergessenen Götter Atvia aus der Alten Zeit –, Tempelruinen im dichten Wald, weiß glänzend im Mondenschein, ein großes Feld mit allerlei Linien und 2 steinernen Thronen!

Sie waren wohl von Falkenburger Spähern entdeckt worden und mussten sich tüchtig ihrer Haut erwehren! Und doch hatten sie ihre Aufgabe nicht vergessen und machten sich daran die kristallenen Splitter zu suchen.

Während ein mitgereister Trupp Piraten sich wohl um eine des abends aufgefundene Schatzkarte balgte und – nach einem ausgiebigen Schiffs-Enter-Training an einem für die Dorfkinder aufgestellten Seilspiel-Baum - sogleich auf Schatzsuche ging, formierten sich die übrigen Abenteurer um in verschiedenen Richtungen nach den Kristallen zu suchen, denn die Zeit war begrenzt.

Zuerst begegneten sie einer jungen Frau, die sich ganz offensichtlich für ein kleines Mädchen hielt und krampfhaft eine Bärenpuppe umklammerte und hilflos umherirrte, da sie sich nicht mehr an den Weg nach Hause erinnern konnte. Nach einiger Anstrengung – und unter aufopferungsvollem Einsatz einer mitgereisten Katzen-Menschendame – gelang es den Abenteurern schließlich, das Mädchen etwas zu beruhigen. Doch einen Grund für ihre Veränderung fanden sie nicht.

Währenddessen hatte wohl eine andere Gruppe ein im Wald herumirrendes Baumwesen aufgespürt, das voller Unruhe umherwandelte und krank wirkte. Rasch fanden sie heraus, dass das Wasser einer Zauberquelle tief im Wald Heilung bringen könnte und machten sich sogleich auf den Weg dorthin.

Die andere Gruppe hatte inzwischen Spuren eines menschengroßen Wolfes gefunden, der augenscheinlich auf 2 Beinen ging, während sein Rudel jedoch auf 4 Pfoten lief.

Der Alte nahm lächelnd einen Schluck Bier, warf einen triumphierenden Blick in die stetig grösser werdende Menge der Zuhörerschaft und fuhr dann fort:

Den Abenteurern um das kleine Mädchen herum war es inzwischen gelungen, einen genauen Blick auf die Bärenpuppe zu werfen, in der sie den Grund für den Gedächtnisschwund der jungen Frau vermuteten, während die Piraten immer noch der – nun mit Kohlenstrichen auf dem Rücken eines der Piraten befindlichen – Karte folgten um den Schatz zu heben. Man berichtet, sie hätten einen Friedhof geschändet um an die Kostbarkeiten zu gelangen.

Ein silberner Baum sei gefunden worden und eine Art Spiel musste auf dem Linienfeld gespielt werden, während einer der Ihren auf dem einen, ein sonderlicher alter Magier auf dem anderen steinernen Thorn gesessen sei, wohingegen die Gruppe, die dem Baumwesen zu helfen versuchte, sich zuerst mit einem Gargyl mit riesigen Flügeln– welch gewagte Flunkerei! – hätte anlegen müssen um das Quellwasser für das kranke Baumwesen zu erlangen, welches ihnen sodann zu einem der gesuchten Splitter verholfen habe.

Ihr könnt euch denken, junger Freund, dass diese Geschichte nur hinter vorgehaltener Hand weitererzählt wurde, da man kaum glauben konnte, was hier berichtet worden war.

Derweil sei jedenfalls in der Bärenpuppe des Mädchens ein weiterer Splitter aufgefunden worden, der die krankhafte Veränderung ihres Geistes verursacht hatte. Ein weiteres Rätsel war also wohl gelöst worden. Nachdem die Gäste den Splitter an sich genommen hatten, erholte sie sich auf wundersame Weise und kehrte in ihr Heimatdorf zurück.

Als die Gruppen sich des abends schließlich müde von den Kämpfen mit den falkenburgischen Spähern und den mysteriösen Splittern in der Taverne verbarrikadierten und sich vom Wirt vorzüglichst hatten verköstigen lassen und sich im Badezuber von ihren Strapazen erholten, sei einer der Ihren von einem unsichtbaren Zauber nach draußen gezogen worden, kaum dass er Zeit gefunden hätte, sich anzukleiden! Als er im ersten Morgennebel schwerstverletzt zurück gekrochen kam, hätte er eine weitere wunderliche Geschichte erzählt. Von im Nebel zu spährischen Klängen tanzenden wunderschönen Feen und berauschenden Stunden in deren Gesellschaft. Schließlich von dem Angriff eines auf zwei Pfoten laufenden riesigen Wolfes aus dem Hinterhalt und der Rettung durch eine plötzlich auftauchender Nymphe, in dessen Verlauf er den letzten der gesuchten Splitter erlangen konnte.

Als sie die letzte Nacht ihres Aufenthalts gut überstanden hatten, verloren die Helden wohl keine Zeit. Sie setzten in den Ruinen des alten Tempels die Splitter in eine dort befindliche Steinplatte ein, was wohl nicht so leicht zu bewerkstelligen gewesen sei, und als sie wieder zu sich kamen, seien sie zurück in der Gegenwart gewesen. Jedoch erzählt man, dass statt der Steinplatte mit den Kristallsplittern sodann wie von Zauberhand ein Beutel an deren Stelle dort gelegen hätte. Er habe ein Schreiben des Magisters Zeration erhalten in dem er den Abenteurern für ihren Einsatz und den Todesmut dankte, den sie bewiesen hatten. Ferner entschuldigte er sich für seine Abwesenheit doch die Kristallteile hätten unter allen Umständen ohne jede Verzögerung nach Hondarth verbracht werden müssen.

Es habe sich in dem Säckchen noch als versprochener Lohn einige atvianische Goldstücke für jeden der mitgereisten Gäste befunden, sowie die begehrten Ehrenbürgerringe Atvias.

Nachdem anfänglich wohl rege Verwirrung herrschte über die „Großzügigkeit“ der Gaben, konnte der Wirt des kleinen Dörfchens dies scheinbar rasch aufklären, indem er erläuterte, dass auf Atvia ein solches Goldstück beinahe zum Kauf eines Gutshofes mit dazugehörigem Viehbestand ausreichend wäre, ferner die Ehrenbürgerringe sehr selten und nur an hochrangige und wohlverdiente Diener Atvias ausgegeben werden, denn sie öffnen dem Träger Tür und Tor fast aller atvianischen Häuser und Einrichtungen.

Nun hätten sich die Gäste, so erzählt man, auf die Reise nach Hondarth begeben. Sie wollten wohl wissen, was sich dort zwischenzeitlich getan hatte.

Denn währenddessen hatten die Magier des Hohen Rates mit Hilfe der Bürger von Hondarth, der Garde und den im letzten Moment eingetroffenen Splitter als Energiequelle, die an Land strömenden Falkenburger bewegungsunfähig machen können. Überall wohin sie traten und wo sie standen schossen Wurzeln aus der Erde. Sprengten die gepflasterten Strassen und gaben ihre Füße nicht mehr frei. Selbst das Zerhacken der Wurzelstrünke hatte nicht den erwünschten Erfolgt, denn einfach zu viele Wurzeln wuchsen nach, wo gerade eine zerschnitten worden war. Ob dies wahr sein kann, mein junger Freund, vermag ich euch nicht zu sagen, jedoch ist mir schon manches über die Macht der 12 zu Ohren gekommen, sodass ich nicht wage, es abzustreiten.

Es wurde berichtet, dass die Einwohner von Hondarth, sowie die Bürger aus den umliegenden Bauerndörfern nunmehr in Richtung der Stadt gehend gesichtet wurden, mit Beilen, Heugabeln und Stöcken bewaffnet. Lediglich die Schusswaffen wurden vor dem Betreten der Stadt von der Garde eingesammelt auf Befehl der Vorsitzenden des Hohen Rates, die – so wurde erzählt - gern eine andere Lösung gesehen hätte, doch nun dieses Vorgehen in Ermangelung anderer Möglichkeiten nur schweigend billigen konnte.

Wenig später war nach Sonnenuntergang das rötliche Schimmern brennender Schiffe aus Richtung des Hafens zu erkennen und die Magier brachen den Ritualkreis ab und sanken erschöpft zu Boden.

Noch am gleichen Abend fand ein wohl gezielter Pfeil aus dem Unterholz in die Mitte der Magier geschossen sein Ziel im Herzen des zu Tode erschöpften Magister Zeration, welcher die folgende Nacht nicht überleben sollte – ebenso wenig wie der Bogenschütze, wurde gemunkelt.

Denn der Hohe Rat – nunmehr aus 11 Mitgliedern bestehend – sandte daraufhin alle verfügbaren Gardetruppen ins Umland aus, alle versprengten Spähertruppen der Falkenburger zu jagen und zu vernichten.

Mit Hilfe der Energiereserven der Kristalle aus Dhorn konnte somit die Armada der Falkenburger beinahe vollständig vernichtend geschlagen und die schützenden Nebel vor der Küste Atvias wieder hergestellt werden, auf dass keines der falkenburgischen Schiffe je wieder den Weg durch die tückischen Klippen nach Atvia finden sollte.

Nun, mein junger Freund, so kennt ihr jetzt also die Sagen, die sich um diese wunderliche Gesandtschaft der Ehrengäste ranken. Man erfuhr leider nur sehr wenig, was zur Vervollkommnung meiner Geschichte hätte dienen können. Scheinbar ist´s doch tatsächlich wahr: Wahre Helden genießen und schweigen…

Als er geendet hatte, war Stille im Schankraum. Selbst der Wirt hatte sich zum Ende hin der Zuhörerschaft angeschlossen und es schien diesem eben erst wieder aufzufallen, dass er ja noch Humpen zu spülen hatte, und so machte er sich eiligst davon.

Sustineo und Rhavin saßen noch eine Weile bei dem Alten und der jungen Dame, bevor sie sich zu einem Spaziergang durch das inzwischen sonnendurchflutete Hondarth entschlossen.

Nebeneinander durch die überfüllten Marktstrassen flanierend unterhielten sich die beiden angeregt, als sich plötzlich ein blau-grün livrierter Bote näherte, der Sustineo eine Nachricht überbrachte.

Rasch verabschiedete sich Sustineo daraufhin von Rhavin und versprach,wiederzukehren, sobald sich die Gelegenheit bieten würde. Sodann verschwandt er mitsamt dem Boten in der Menschenmenge.

Rhavin hatte sich gerade wieder in Richtung seiner Bibliothek gewandt, als ein schwarz-weisser Blitz hinter einer Fischtonne hervorflitzte, der ihn lautstark miauend begrüsste. Sichtlich erfreut beugte sich der alte Bibliothekar nieder, um die Nachricht vom Halsband seiner Botenkatze Rrrraul abzunehmen.

Während des Lesens schlich sich ein Lächeln auf seine Züge und mit einem zwinkernden Seitenblick auf die grosse Katze wandte er sich zum Gehen. Es war noch viel zu tun.


Das Katz

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Die atvianische Garküche
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